Interview mit Daniel Craig

"Meine Figuren sind immer Kämpfer"

Nach ein paar Jahren der Abstinenz ist James-Bond-Darsteller Daniel Craig wieder in Berlin, diesmal, um seinen neuen Film "Cowboys and Aliens" vorzustellen. Das ist kein üblicher Western. In der Comic-Verfilmung macht Craig an der Seite von Hollywoodstar Harrison Ford Jagd auf Aliens, die ein kleines Westernstädtchen in der Wüste von Arizona überfallen haben.

Peter Beddies traf den 43jährigen Briten, der lässig in Jeans und mit dunkelbraunem T-Shirt gekleidet erscheint, im Hotel Adlon.

Berliner Morgenpost: Man hört dieser Tage, Sie wären recht brubbelig in Interviews?

Daniel Craig: Wer sagt das?

Berliner Morgenpost: Zum Beispiel Kollegen aus Amerika, die Ihnen zur Hochzeit gratulieren wollten.

Daniel Craig: Was soll ich sagen? Privates geht nur einen kleinen Kreis von Personen an.

Berliner Morgenpost: Es gab Zeiten, da haben Sie über Ihre Beziehung mit Heike Makatsch...

Daniel Craig: ...das mag Ihnen heute vielleicht so vorkommen, dass ich damals offen über meine Beziehung zu Heike Makatsch gesprochen habe. Aber ich glaube nicht so recht daran. Privates zu schützen, war mir immer sehr wichtig. Und es ist heute umso wichtiger. Alles, was ich sage, wird gedruckt. Alles!!! Es geht einfach darum, dass ich demjenigen, über den ich öffentlich rede, einen Schaden zufüge. Das will ich auf keinen Fall.

Berliner Morgenpost: Kann ja auch sein, dass man das im Laufe der Jahre lernt oder von den großen Studios beigebracht bekommt.

Daniel Craig: Nein, ist gar nicht nötig. Natürlich hat "Bond" mein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Und es war damals ein anderes Leben, als ich mit Heike durch Deutschland gezogen bin und sie der Star war. Und es ist auch ein tolles Gefühl, dass die meisten Medien mich momentan mögen. Es werde auch andere Zeiten kommen.

Berliner Morgenpost: Wenn Sie also die Zeit hätten, sich jetzt Berlin anzuschauen.

Daniel Craig: Schöner Plan. Leider nicht machbar, weil wir keine Zeit haben. Aber wenn, dann würde dieselbe Devise wie immer gelten. Mantel anziehen, Brille aufsetzen. Und dabei darauf achten, nicht zu bescheuert auszusehen. Denn irgendein Trottel hat garantiert ein Handy dabei und zückt es.

Berliner Morgenpost: Kann man von einem alten Haudegen wie Harrison Ford, der jede Höhe und jede Tiefe schon mal mitgemacht hat, in dieser Beziehung noch was lernen?

Daniel Craig: Nein, das ist ja auch etwas anderes als vor zehn Jahren, als ich die Ehre hatte, mit Paul Newman zusammen zu arbeiten. Da war er 76 Jahre alt. Ich war ehrfürchtig. Er riss in den Drehpausen immer schmutzige Witze. Aber diese Art von Befangenheit oder Lehrer-Schüler-Verhältnis gibt es heute nicht mehr. Ach, da fällt mir ein, dass mir Paul mal einen ganz guten Trick über das Verhalten in der Öffentlichkeit verraten hat.

Berliner Morgenpost: Den könnten Sie uns jetzt weiter geben, wenn es nicht zu privat ist.

Daniel Craig: Kein Problem. Als wir "Road to Perdition" drehten, war zwischendurch immer Zeit. Irgendwann hat er mir vorgemacht, wie er unerkannt durch eine Menschenmenge geht. Irgendwie hat er total uninteressiert ausgesehen. Und Menschen sind an ihm vorbei gelaufen. Das muss ich noch trainieren. Wenn ich mal ein Bier in der Eckkneipe trinken will, habe ich keine Ruhe. Wahrscheinlich trinke ich zu auffällig.

Berliner Morgenpost: Wie würde es Ihnen gehen, wenn Sie keiner mehr nach James Bond fragen würde?

Daniel Craig: Wenn ich keine Bondfrage bekäme, würde ich mich schon ein wenig wundern. Meist sind die Journalisten zu respektvoll, um danach zu fragen. Aber ich habe kein Problem, über Bond zu reden. Ich weiß, was ich ihm verdanke und ich weiß, dass ich auch noch eine Karriere darüber hinaus habe. Was will ich mehr?

Berliner Morgenpost: Gut: Dann haken wir Bond mal schnell hat. Hat Ihnen die Produzentenfamilie Broccoli verboten, in Ihrer Zeit als Geheimagent Bösewichter zu spielen?

Daniel Craig: Nein. Mit den Bösewichtern war ich gleich zu Beginn meiner Karriere durch. Zum Glück waren es alles kleine Filme. Aber da waren schon ein paar ordentliche Fieslinge dabei. Das kann ich Ihnen sagen. Jetzt versuche ich nur noch nach einem zu schauen: Die Leute, die ich spiele, müssen um irgendwas kämpfen. Idealerweise natürlich auf der guten Seite. Aber das muss nicht sein. Es muss was passieren. Wen nichts passiert, ist man garantiert in einem französischen Film gefangen. Das muss nicht immer eine gute Entscheidung sein. Ich mag es, wenn in meinen Filmen Konflikte aufbrechen, wenn sich was tut.

Berliner Morgenpost: Die Konflikte in "Cowboys and Aliens"...

Daniel Craig: ...sind nicht weltumspannend und sehr tiefgründig. Aber kennen Sie nicht auch das Gefühl, nach einem schweren Arbeitstag in Kino gehen zu wollen, um sich zu amüsieren? Dafür ist so ein Film da. Ich weiß, die Kritik man ihn nicht besonders. Aber es muss auch Filme geben, die das Publikum unterhält.

Berliner Morgenpost: Welcher Aspekt hat Sie eigentlich mehr gereizt - Außerirdische oder Western?

Daniel Craig: Ganz eindeutig Western. Damit ist Hollywood groß geworden. Jeder Schauspieler - ob er es zugibt oder nicht - möchte einmal in seinem Leben in einem Western mitspielen. Ich habe nur für alle Kollegen, die das vorhaben, einen Rat: Passt auf Eure Hüte auf!

Berliner Morgenpost: Wieso?

Daniel Craig: Es gibt eine Regel unter Cowboys, die mir nicht geläufig war. Wer seinen Hut verliert, muss eine Runde Bier ausgeben. Da mein Hut öfter mal weg war, ging das ganz schön ins Geld.

Berliner Morgenpost: Cowboys sind harte Hunde. Zeigt sich das auch am Set eines Western?

Daniel Craig: Und wie, die ganze Zeit Furzwitze und Gags über verlorene Hüte. Es geht schon etwas derber zu als bei einem Sittenbild über Künstler des 18. Jahrhunderts.

Berliner Morgenpost: Kommen wir noch mal kurz auf Bond zurück: Wie würde ein Treffen mit dem Bond-Erfinder Ian Flemming verlaufen? Sie müssen sich das schon ausgemalt haben.

Daniel Craig: Wahrscheinlich würde ich mir einen Cocktail bestellen, mich ihm gegenüber setzen und es einfach genießen, mit einem wie ihm reden zu können. Worüber wir reden würden? Mich würde schon die Entstehung von James Bond interessieren. Aber es ist auch so viel Zeit vergangen. Er hat den Roman Anfang der 50er Jahre geschrieben. Wahrscheinlich könnte er mit meinen Fragen gar nichts anfangen können. Spannend fände ich ja, wie er auf eine Figur wie "Le Chiffre" gekommen ist. Der Schatzmeister der Terroristen - eine Figur ohne jede Moral. Solche Leute hat man im wirklichen Leben erst viel später entdeckt. Ach, es gäbe so viel zu reden mit dem Mann. Aber ich denke, am wahrscheinlichsten ist, dass wir uns ganz langsam betrinken und über alles Mögliche reden würden.