Kino

Bollywood zeigt, wie Eva Braun den Führer fütterte

In Indien ist der Film "Gandhi to Hitler" dieser Tage in den Kinos angelaufen. Es ist eine Bollywood-Produktion auf Hindi, die DVD bereits mit englischen Untertiteln erhältlich. Der Filmtitel spielt auf zwei Briefe an, die Mahatma Gandhi an den Diktator Adolf Hitler schrieb, die aber letztendlich dann doch keine besonders große Rolle gespielt haben - weder historisch noch im Film.

Wobei der Film, so die Eigenwerbung, die Überlegenheit der Lehre Gandhis über den Nationalsozialismus darstellen soll.

Bei den Dreharbeiten im letzten Sommer hat "Dear Friend Hitler" zum ersten Mal von sich reden gemacht. Der ursprünglich für die Rolle Hitlers vorgesehene Bollywoodstar Anupam Kher zog sich aus dem Projekt zurück, nachdem es große Proteste von seinen Fans und Vertretern jüdischer Gemeinden gegeben hatte. Es sei ihm nicht klar gewesen, dass er die Gefühle so vieler Menschen mit diesem Film verletze, sagte Kher. Der Regisseur Rakesh Ranjan Kumar bemüht sich seitdem zu erklären, dass der Film weniger ein Bollywood-Spektakel, sondern vielmehr eine Charakterstudie Hitlers sei.

Tatsächlich hat sich der Film großzügig bei Oliver Hirschbiegels "Untergang" bedient. Verwoben sind die Szenen aus dem Führerbunker und von deutschen Schlachtfeldern mit der Geschichte des Kampfs um Indiens Unabhängigkeit. Es ist eine etwas krude Mischung, die einen ratlos zurücklässt. Tanzszenen indischer Freiheitskämpfer gemixt mit Partys in Berlin, wo Eva Braun den Führer mit Kuchen füttert.

Raghubir Yadav spielt jetzt den Diktator. Und er spielt ihn als eine Mischung aus Bruno Ganz' Charlie Chaplin, und - man kann es nicht ganz leugnen, auch ein wenig Walter Moers. Irgendwie, so scheint es, konnten sich die Macher des Films nicht entscheiden, was sie nun eigentlich wollten: Bollywood oder Berlin. Das indische Publikum konzentriert sich vorsichtshalber darauf, die bildschöne Neha Dupia für ihre Darstellung der Eva Braun zu feiern.