Bühne

Wer braucht schon einen Prinzen

Zunächst einmal sei festgehalten, was die Kammeroper Schloss Rheinsberg nicht zu bieten hat. Es gibt keine großflächigen Videoeinspielungen, keine nackten Statisten, nirgendwo werden Zitate von Sartre oder Rammstein eingeblendet, um Dvoraks "Rusalka" zu verdichten, das Bühnenbild braucht kaum Techniker - dafür regelmäßig einen Gärtner.

Die Öko-Inzenierung im Heckentheater von Schloss Rheinsberg ist derart naturbelassen, sparsam, man könnte auch althergebracht sagen, dass es schon wieder wunderbar ist. Hier stehen noch die Sänger im Mittelpunkt. Das Publikum findet das gut und lauscht bis tief in die Nacht.

Wenn die Rechner um Festivalchef Siegfried Matthus in der kommenden Woche Bilanz ziehen, werden die Zahlen, so heißt es, unerwartet gut sein. Ob der halbszenische "Vogelhändler" zu Beginn oder Arila Siegerts Regie von Monteverdis "Krönung der Popea", die Operngalas mit den jungen Sängern sind eh immer beliebt, die Auslastung lag deutlich über den Erwartungen. Obendrein hatte man vorsichtig kalkuliert. Für "Rusalka" wurde im Mai sogar noch einmal das Inszenierungsteam gewechselt, weil das in Sandra Leupolds "Regiekonzept vorgesehene Bühnenbild sich nicht mit dem dafür vereinbarten Budget realisieren" ließ.

Regisseur Detlef Soelter hat kurzfristig übernommen und völlig uneitel, ohne jede Psychologisierung, das slawische Opernmärchen um die Wassernixe, die sich unglücklich in einen Prinzen verknallt, auserzählt. Ihm reicht dazu der Korbsessel, den ihm Ausstatterin Martina Feldmann in die Mitte gestellt hat, und ein verschiebbarer Pavillon, der zu Rusalkas Käfig in der Menschenwelt wird. Soelter schafft es tatsächlich, auch dank von Mikoports, das Heckentheater in seiner ganzen Tiefe bespielen und besingen zu lassen. Und falls das kleine feine Festival jetzt Geld drüber behält, ist ihnen eine feinfühligere Verstärkeranlage, möglichst eine aus diesem Jahrhundert, ans Herz zu legen. In den Lautsprecherboxen verzerrt sich leider manch Romantisches.

Gerade bei Katja Webb, der Rusalka, sind die akustischen Open-air-Defizite bedauerlich. Die Australierin ist von bleicher Schönheit, die sie szenisch zurückhaltend als Frau zwischen Wassergrün und Reinweiß ausspielt, aber ihr Sopran ist - zumal in der Höhe - von einer klaren lyrischen Leidenschaft geprägt. Wer so singt, braucht keinen Prinzen. Saya Lee verkörpert ihn in tenoraler Leichtigkeit. Diese "Rusalka" ist ein Stück Frauenpower: Die russisch geschulten Stimmen der Nana Cherkeziya, als Fürstin eine Verführerin in Rot, und der Diana Grischina, der quirligen Hexe Jezibaba, sind übermächtig. Dagegen kann sich eigentlich nur der spielstarke Kai Wegner als Wassermann mit seinem gemütvollen Bass behaupten.

Den berühmten Todeskuss am Ende konnte ich leider nicht sehen, der Dirigent stand davor. Uwe Sochaczewsky ist 1,93 Meter groß - und er hat die Brandenburger Symphoniker nebst Sängern hervorragend im Griff. Kompliment an die Bläser. Ein empfehlenswerter Ausflug.

Kammeroper Schloss Rheinsberg "Rusalka" am 9., 10., 12., 13. August im Heckentheater Tel. 033 931-39 296