Konzert

Oboist Albrecht Mayer spielt Peter Ruzickas neuen Seelenbericht

Ein feines, wohlüberlegtes Konzert. Das Schleswig-Holstein Festival Orchester ist beim "young.euro.classic"-Festival immer herzlich willkommen. Zunächst rettete es Ivan Fischers frische Festivalhymne in ein Arrangement für Streicher hinüber.

Ihre Vorgänger aus Brasilien hatten es von der Empor herab geradezu in den Orkus geblasen. Dann debütierte Dietmar Bär, der langjährige Fernseh-Kommissar, als witziger Pate des klug durchkalkulierten Abends, der Schritt für Schritt auf Beethovens 4. Sinfonie als Finale hinauslief. Überraschend war anfangs nur, dass Peter Ruzicka am Pult ihn ausgerechnet mit den "Metamorphosen" von Richard Strauss anheben ließ, dieser Lebensabschieds-Musik für Streicher: dem vorletzten Stück, das der dahinsterbende Strauss sich abgewann. Für ein Jugendorchester-Konzert ein seltsamer Anfang.

Dann aber wurde klar, was Straussens verzweiflungsvoll musikalischer Abschlussbericht an dieser Programmstelle zu suchen hatte. Peter Ruzicka, ließ ihm seine am Vorabend frisch uraufgeführte "Aulodie" für Oboe und Kammerorchester folgen, und hatte für ihren Vortrag den philharmonischen Oboen-Großmeister Albrecht Mayer gewonnen. Einen besseren hätte er auch nicht wählen können. Mayer blies das gerade durch seine zeichnerische Klarheit höchst anspruchsvolle Werk mit wunderbarer Autorität und wurde umgehend dafür belohnt. Gewissermaßen als redlich verdiente Zugabe durfte er anschließend Mozarts Andante für Oboe und Orchester, den nirgends zuzuordnenden Satz KV 315, den begeisterten Hörern nachliefern.

Höhepunkt des Abends wurde indessen Ruzickas neuestes, ganz in sich versunkenes Werk. "Romanhaft", wie Ruzicka selbst es bezeichnet, wird man es wohl nicht nennen dürfen. Es gleicht in seinen sieben "Szenen" einer Kette zuhöchst sensibler Selbstbespiegelungen, die indessen alle formalen Reize des Musikmachens nutzen. Ruzicka ist immer verstandeshell und dezent gefühlvoll zugleich. Er kehrt sein Inneres nie unverrätselt nach Außen. Unterschlägt es aber auch keinen Takt lang. Er liefert in der "Aulodie" - was im Titel auf den Gesang mit einer Aulos-Begleitung im antiken Griechenland anspielt - einen Seelenbericht neuester Bau- und Lesart. Ein Meisterwerk.