Bildung

Grütters: Akademie nicht an staatliches Gängelband nehmen

Die Berliner CDU-Kulturexpertin Monika Grütters hat davor gewarnt, die geplante Künstlerakademie in Istanbul unter staatliche Leitung zu stellen. "Wenn es eine Lehre aus den Abgründen unserer Geschichte gibt, dann ist das die Freiheit der Kunst", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses.

"Bei einem so wichtigen Projekt darf nicht der Eindruck entstehen, als ob die Politik die Künstler an ein zu enges Gängelband legt."

Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, hatte kürzlich angekündigt, die Künstlerakademie Tarabya werde unter dem Dach der Botschaft angesiedelt, nur die künstlerische Betreuung solle eine Kuratorin übernehmen. Grütters forderte dagegen eine "kuratorische Gesamtverantwortung", auch wenn man auf den diplomatischen Status des Geländes Rücksicht nehmen müsse. "Es gibt nicht nur in Deutschland, sondern gerade in der Türkei viele Künstler, die nichts mehr fürchten, als von der Politik vereinnahmt zu werden."

In Tarabya sollen deutsche Künstler die Möglichkeit bekommen, für ein halbes Jahr mit einem Stipendium in der Türkei zu leben, um Kontakte zu ihren dortigen Kollegen aufzubauen. Die beiden dafür geplanten Häuser gehören zur Sommerresidenz des deutschen Botschafters am Bosporus. Wegen des diplomatischen Status des Geländes geriet das Projekt im vergangenen Jahr in Gefahr, der Bundestag drängte das Außenamt aber auf Umsetzung seiner Beschlüsse. Die Akademie soll im Oktober eröffnet werden. Im März oder April 2012 könnten dann die ersten Stipendiaten starten. Über die Künstler herrscht noch Unklarheit.