Kriminalität

Geldgeschäfte mit "Just for Fun"

Der eine, Carsten Weidling, ist Fernsehautor und Moderator, ein Meister der leichten Muse, Pokerfan. Der andere, René Bohacek, ist Immobilienkaufmann und GmbH-Eigentümer, ein Spezialist für knifflige Verträge, auch er mit einer Vorliebe fürs Kartenspiel. Was die beiden Mittvierziger außer einer Freundschaft aus gemeinsamen Schultagen verbindet, ist eine Adresse im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

Und dorthin führen die Spuren einer Firma, von der bisher kaum mehr bekannt war als ihr Name: "Just for Fun". Diese Firma spielt nach Recherchen der Morgenpost in der Affäre um den geschassten MDR-Unterhaltungschef Udo Foht eine wichtige Rolle.

Bis Mittwoch vergangener Woche war Foht der unangefochtene König der Volksmusik im deutschen Fernsehen, nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig gegen ihn. Der MDR wurde auf seltsame Finanztransaktionen aufmerksam und hat Foht wegen des Verdachts auf "Betrug bzw. Untreue" angezeigt, für beide Delikte sieht das Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug vor. Foht soll in mindestens einem halben Dutzend Fällen auf MDR-Briefbögen Geldzahlungen von Dritten angefordert haben, die nicht an den Sender gingen. Der älteste Vorgang, der bislang entdeckt worden ist, stammt aus dem Herbst 2008.

Im MDR geht man davon aus, dass die Innenrevision mehrere Monate brauchen wird, um die Machenschaften des Unterhaltungschefs aufzuklären. Foht verwaltete einen Jahresetat von geschätzten 40 Millionen Euro. Hinter diesem Globalbetrag stecken Tausende Einzelvorgänge. Doch schon jetzt wissen die Prüfer, worauf sie bei Sichtung der Unterlagen achten müssen: auf die Firma "Just for Fun". Und auf die Namen Carsten Weidling und René Bohacek.

Gegen Weidling und Bohacek gibt es keine strafrechtlich relevanten Vorwürfe. Aber die beiden könnten als Zeugen einiges dazu beitragen, die Affäre aufzuklären. Allein aus internen Unterlagen des MDR, die der Morgenpost vorliegen, und aus der vom Sender bestätigten Aussage eines von Fohts Geschäftspartnern geht hervor, dass der geschasste MDR-Manager über die "Just for Fun" mindestens zweimal fragwürdige Geldgeschäfte abgewickelt hat oder abwickeln ließ. Eine Zahlung über 20 000 Euro und eine über 30 000 Euro. Für die Firma interessieren sich deshalb die Prüfer des MDR und die Leipziger Staatsanwälte. Foht reagiert auf mehrere Rückrufbitten nicht.

Weidling gibt im Internet als Kontakt eine Adresse in Berlin an und ein Kürzel mit drei Buchstaben: JFF, den Initialen für "Just for fun". Es ist dieselbe Berliner Adresse, unter der René Bohacek seine Immobilien-GmbH führt. Bohacek wirkt verstört, als ihn die Morgenpost auf die Firma "Just for Fun" anspricht. Er sagt einen einzigen Satz: "Dazu gebe ich keinen Kommentar ab", dann beendet er das Telefonat.

Delikat ist der andere Fall: Foht hatte den Geschäftsführer der Leipziger Produktionsfirma Ariane Film, Christian Schulzki, im September 2008 gebeten, kurzfristig eine Sicherheitsleistung über 20 000 Euro als Scheck zur Verfügung zu stellen. Foht behauptete, eine andere Produktionsfirma, die für den MDR tätig und gerade etwas klamm sei, benötige kurzfristig Geld. Als der Betrag in der versprochenen Zeit nicht zurückgegeben wurde, fragte Schulzki mehrmals vergeblich bei Foht nach.

Mitte Mai dieses Jahres platzte Schulzki der Kragen, er schaltete einen Anwalt ein. Plötzlich wurde Foht bei ihm vorstellig und sagte, das Geld sei bei der Firma "Just for Fun" eines Herrn Bohacek gelandet. "Ich hatte beide Namen zuvor noch nie gehört", sagt Schulzki. Ab sofort will er sich mit Rücksicht auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht mehr öffentlich zu dem Fall äußern. Bei seinen Bemühungen, sein Geld zurückzubekommen, stieß Schulzki schließlich auf eine Rechnung: ausgestellt von der Firma "Just for Fun" für angebliche Autorenleistungen. Als Empfänger der Rechnung war der MDR angegeben, doch dort ist sie nach Angaben des Senders offiziell nicht eingegangen. Die Rechnung datiert auf den September 2008, und auf ihr sind exakt jene 20 000 Euro vermerkt, die Ariane Film vermeintlich einer anderen Produktionsfirma zur Verfügung gestellt hatte. In dieser Rechnung sind René Bohacek als Inhaber und Carsten Weidling als "Kreativschreiberling" der "Just for Fun" aufgeführt. Als Bankverbindung ist ein Konto bei der Deutschen Bank Berlin angegeben. Doch der Scheck von Schulzkis Firma ist nicht dort eingelöst worden, sondern auf einem anderen Konto desselben Instituts. Da bleiben Fragen offen: Weshalb hat die "Just for Fun" mutmaßlich falsche Rechnungen gestellt? Handelt es sich um einige überschaubare Einzelfälle oder steckt dahinter ein ausgeklügeltes System?