"Green Lantern"

Helden im Crashtest: Die Suche nach dem starken Mann

Sind sie die legitimen Nachfolger der Fleischpaläste Schwarzenegger, Stallone & Co., die unser natürliches Bedürfnis nach Action befriedigen? Sehnen wir uns in diesen krisengeschüttelten Zeiten nach einem starken Mann? Haben die Hollywoodproduzenten als Kinder alle Comics gelesen? Oder wird hier nur die Kuh so lange gemolken, bis auch die letzte Zitze nichts mehr her gibt?

Wie auch immer: Comichelden boomen weiter im Kino. In den USA kamen nun innerhalb von einer Woche zwei Helden aus der zweiten Reihe auf die Leinwand. "Green Lantern" startet heute in den deutschen Kinos "Captain America" am 18. August. Wer ist spannender? Wir haben sie schon einmal getestet.

Die Handlung

"Green Lantern" beginnt mit einem unheimlich komplizierten Prolog von Tausenden Wächtern im All, bei dem viele gar nicht erst einsteigen. Dann aber landet ein sterbender Wächter auf der Erde und gibt seinen Ring (und seine Laterne) an einen verantwortungslosen Piloten weiter. Da sehnt man sich doch nach den klassischen Geschichten, in denen ein simpler Spinnenbiss oder Gammastrahlen die Superheldwerdung flink abhandelten...

"Captain America" spielt mal nicht in eher metallisch-futuristischen Kulissen, sondern im Zweiten Weltkrieg. Das ist für die Comic-Zunft mal echt ausgefallen. Und der Held ist ein schmächtiger Junge, der unbedingt in den Krieg will, aber zu klein und zu dünn ist und deshalb ständig ausgemustert wird. Bis er sich für einen Test zur Verfügung stellt und mit einer einzigen Spritze zum Muskel-Beau anschwillt. Muscle-to-go. Nie wieder Gewichte stemmen! 0:1 für Captain America.

Das Vorbild

Green Lantern kommt aus dem Imperium der DC-Comics, wie Superman, Batman und Flash. Erstmals tauchte die Laterne 1940 auf, doch erst 1959 wurde der Erdling Hal Jordan zu dem Helden. Ein Spätzünder also, der dann auch lange in der Versenkung verschwand und erst 2005 reanimiert wurde. Captain America stammt wie Spider-Man, Iron Man und die X-Men aus dem Hause Marvel. Das erste Heft erschien im März 1941, acht Monate vor Kriegseintritt der USA, dort durfte der Held gleich Hitler verdreschen. Wegen seiner Stars & Stripes und kriegspropagandistischen Botschaft kam er außerhalb der Staaten nie zu vergleichbarem Ruhm und musste sich auch dort bald in ein Team mit anderen Marvel-Helden einreihen. Unentschieden. Zwischenstand 1:2.

Der Schauspieler

Ryan Reynolds (34) steht seit 20 Jahren vor der Kamera. Nach ersten TV-Serien drehte er mit Julia Roberts ("Zurück im Sommer") und Sandra Bullock ("Selbst ist die Braut") und auch mal ganz allein im Sarg ("Buried"). Am meisten machte er indes durch Frauengeschichten von sich reden: mit Alanis Morisette und der Kurzehe mit Scarlett Johansson. Das People Magazine kürte ihn 2010 zum Sexiest Man Alive.

Chris Evans ist 30. Auch er begann seine Karriere 1990 in einer TV-Serie. Er spielte in "Nicht noch ein Teenie-Film!", neben Reynolds' Ex-Frau ("Nanny Diaries") und hat auch schon Erfahrung im Comic-Kino: In den "Fantastic Four"-Filmen als lebende Flamme. Seine private Flamme war Jessica Biel, die aber bereits erloschen ist. Evans wurde vom Empire zu einem der 100 Sexiest Stars gekürt.

Letztlich ist dies eine Typ-Frage. Wer auf braune Haare und Rehaugen steht, wählt Mr. Reynolds, wer blond und blauäugig bevorzugt, Mr. Evans. Unentschieden. Ergo 2:3.

Kostüm

Green Lantern steckt in einem grünen Dress, das so hauteng ist, dass es die Muskeln förmlich aus dem Körper presst. Das lässt nicht nur das Herz von Latex-Fetischisten höher schlagen; auch nackt könnte Reynolds kaum sexier sein. Captain America muss sich dagegen in eine amerikanische Flagge einhüllen. Die Blau-weiß-rot-Kombination wirkt nicht sehr stilbewusst, und weil das Ganze auch noch eine leichte Patina haben soll, will man ihm eigentlich ständig das Kostüm ausziehen und in die Wäsche stecken. Klarer Vorteil für die Laterne. Gleichstand: 3:3.

Effekte

Beide Filme kommen in 3D daher, auch wenn sie tiefendimensional nicht viel hergeben. Die Gabe der Laterne ist es, an Waffen alles zu materialisieren, was ihm gerade in den Kopf kommt. Das sind aber nur Riesenknarren und Spielzeugautobahnen. Jungensfantasien halt. Der Captain hat nur einen stählernen Schild, den er gern als Diskusscheibe einsetzt. Die Actionszenen wirken absichtlich eher altmodisch. Sympathisch, dass hier mal Computertricks genutzt werden, um jemanden (anfangs) kleiner und schmaler zu machen. Bei der Laterne sind wilde Flugsequenzen angesetzt, doch die wirken antiquierter als der Retro-Film. 3:4.

Stardichte

Captain America wird erst von Tommy Lee Jones in der Army trainiert, dann von Stanley Tucci zum Muskelprotz gespritzt und schließlich von Hugo Weaving ("Herr der Ringe", "Matrix") als Nazi-Satan bekämpft. Und am Ende sorgt Samuel L. Jackson für den Cliffhanger in den zweiten Teil. Die Grüne Laterne kann immerhin Tim Robbins und Angela Basset aufbieten, allerdings nur in lieblosen Kurzauftritten. Peter Sarsgard ist ein großartiger Schauspieler, hat aber keinen Star-Status und wirkt als Gegenspieler nicht stark genug besetzt. Auch dieser Punkt geht also klar an Captain America. Kleiner Schwachpunkt: In beiden Filmen ist die Partnerin (Blake Lively, Hailey Atwell) unbekannter als der Rest der Crew. 3:5.

Zugkraft

"Green Lantern" hat 200 Millionen Dollar an Kosten verschlungen, aber seit seinem US-Kinostart am 17. Juli nur 112,8 Millionen eingefahren. Für einen Blockbuster dieser Größenordnung ein Fiasko. Eine Fortsetzung ist daher noch nicht anvisiert. "Captain America" fällt da mit seinem 140 Millionen-Budget ein wenig günstiger aus und hat bei seinem US-Start am 22. Juli gleich Harry Potter von Platz Eins der Kinocharts geschubst. Ein zweiter Auftritt ist schon in der Mache: In "The Avengers" kämpft der Captain Seit' an Seit' mit Iron Man Robert Downey Jr. und Thor-Neuheit Chris Hemsworth. Nur gut, dass nicht auch die Fantastic Four mitwirken, sonst käme Chris Evans in eine echte Identitätskrise. Fazit: Erst "Captain America" gibt einem den Glauben an den Comic-Film zurück. Klarer Sieger nach Punkten: 3:6.

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