Neue Akademie

Zum Zehnjährigen schenkt sich das Jüdische Museum einen Anbau

Es zählt zu Berlins meistbesuchten Museen. Über 760 000 Besucher hat das Jüdische Museum Berlin allein im vergangenen Jahr gezählt. Zehn Jahre hat es nun auf dem Buckel. Der zickzackförmige Neubau von Daniel Libeskind, der an einen geborstenen Davidstern erinnern soll, beherbergt die Schau über zwei Jahrtausende deutsch-jüdischer Geschichte.

Er ist seit seiner Eröffnung 2001 immer noch die architektonische Attraktion Nummer eins in der Stadt.

Museumsdirektor W. Michael Blumenthal informierte jetzt über die Jubiläumsfeierlichkeiten und Aussichten. Mitte nächsten Jahres wird die ehemalige Kreuzberger Blumengroßmarkthalle eröffnet werden. Diese Erweiterung des Jüdischen Museums durch Star-Architekt Libeskind ist noch im Gange. Dort wird dann das "Akademie" genannte Studienzentrum, bestehend aus Bibliothek, Archiv, Büros und einer Mehrzweckhalle, seinen Betrieb aufnehmen. Das Platzproblem des Hauses dürfte damit gelöst sein.

Zuvor gibt es ab 24.Oktober eine Jubiläumswoche, die mit einem Konzert von Daniel Barenboim und der Staatskapelle eingeläutet wird. Es wird Baustellenführungen geben. Und der "Preis für Verständigung und Toleranz" wird dieses Jahr an Angela Merkel verliehen. Man wolle sich bedanken bei ihr, die eine "wichtige Stütze" des Hauses sei, so Blumenthal. Sie habe sich bereits für den Glashof stark gemacht und nun auch für den 11 Millionen teuren Erweiterungsbau. Er wird zu 60 Prozent vom Bund bezahlt. Der Rest wird privat finanziert. Als Haupt der Bundesregierung sei Merkel auch Symbol für die Bundesrepublik, die das Museum ermöglicht habe, das am 9. September 2001 in kritischer Zeit eröffnet wurde. Immerhin 25 Prozent des Jahresetats von 16,5 bis 17 Mio. Euro werden aus privaten Mitteln bestritten. "Wir sind zwar eine Bundesinstitution und werden vom Bund finanziert, aber wir haben von Anfang an den privaten Sektor eingebunden", sagte Blumenthal.

Am 24. Oktober wird der Preis in der zukünftigen Akademie im Rahmen eines Jubiläumsdinners feierlich überreicht. Man erwartet dafür in der früheren Blumengroßmarkthalle führende Politiker, Mitglieder des amerikanischen Senats und Kongresses sowie Altkanzler Helmut Schmidt. Sie alle werden einen Vorgeschmack erhalten auf das neue Gebäude gleich gegenüber dem Museum. Das zog in zehn Jahren 7,1 Mio. Besucher an. "Berlin ist hot. Es ist wirklich ein Touristenmagnet geworden. Man kommt in die Stadt und geht auch ins Jüdische Museum", so Blumenthal. 70 Prozent der Besucher sind Touristen, 30 Prozent stammen aus Berlin und Umgebung, darunter viele Schulklassen.

Noch ist von außen nichts zu sehen, was im Sommer nächsten Jahres fertig sein soll. In dem Erweiterungsbau soll in die Zukunft geblickt und geforscht werden. Man will sich breiter orientieren. Anfangs habe man sich noch als deutsch-jüdisches Geschichtsmuseum gesehen. Inzwischen guckt man nach vorn. "Wir haben gesehen, dass das Problem von Minderheiten - und die Juden waren immer eine Minderheit - ein Problem ist, das bis heute existiert, denn die Bundesrepublik ist ein Einwanderungsland geworden", so Blumenthal. Daraus habe man die Idee einer Akademie entwickelt, die sich im Kern mit dem Problem Migration und Einwanderung beschäftige. Es soll künftig Stipendiaten und Fellows geben. Und: "Wir wollen in der Akademie so etwas wie ein jüdisch-islamisches Forum gründen." Die Zukunft gehöre nicht musealen Fragen, sondern der Erweiterung des Gedankens in Richtung Integration.

Dabei soll auch die bisherige Dauerausstellung im Haupthaus verbessert werden. Blumenthal interessieren heute weniger die alten Römer als etwa das Schicksal jüdischer Einwanderer aus Osteuropa in jüngster Zeit. Überall auf der Welt, so Blumenthal, begegneten ihm Menschen, die das Museum kennen. "Das ist gut für uns. Das ist gut für die Bundesrepublik."

"Wir wollen in der Akademie ein jüdisch- islamisches Forum gründen."

W. Michael Blumenthal, Museumsdirektor