Kunst

Bronze ist out: Bildhauer arbeiten wieder abstrakter

Vor rund 100 Jahren wurde die abstrakte Kunst geboren, und seither wieder aufgetaucht. Im Georg Kolbe Museum kann man Bildhauerkunst in einer Überblicksausstellung betrachten, die Marc Wellmann eingerichtet hat.

Er beobachtet momentan "eine Renaissance der abstrakten Kunst, nicht nur in der Malerei, sondern auch in der Bildhauerei." So macht es Sinn, einmal den Blick auf 22 Gegenwartskünstler zu richten und zu schauen, was die in den 60er, 70er und 80er Jahren Geborenen an abstrakten Skulpturen zu bieten haben. Von der Säule aus gepressten Schallplatten (Gregor Hildebrandt) bis zur Pyramide aus pulverisierten Champagnerflaschen (Alicja Kwade) reicht das Spektrum, von der Sandstein-"Rosette" (Thomas Scheibitz) bis zum Tatlin-Turm. Bronze ist out.

Gearbeitet wird mit allen möglichen Werkstoffen. Wer Bettina Pousttchis weiß lackierte Absperrgitter im Garten sieht, fühlt sich an Olaf Metzel erinnert. Tatsächlich aber ist das mit Neonlicht bestückte "Double Monument (for Flavin and Tatlin)" eine Reminiszenz an den Neonlicht-Künstler Dan Flavin und an Vladimir Tatlins ehrgeiziges Architekturprojekt eines Turmes, der die Dynamik der russischen Revolution widerspiegeln sollte und nie verwirklicht wurde.

Auch die Arte Povera ist Patin für vieles, was heute in ärmlichen Materialien gezimmert wird. So sind sehr selbstreferentielle Gebilde in den Räumen des ehemaligen Ateliers von Naturalismus-Bildhauer Georg Kolbe zu betrachten. Längst wird nicht mehr von der Natur abstrahiert, sondern von der Kunst-Tradition oder es geht um neue Raumkonzepte und Oberflächenfindungen. Besonders jene Arbeiten stechen hervor, die Spannungsmomente zwischen Körperhaftigkeit, Materialität und geistigen Impulsen vermitteln. Etwa Gereon Krebbers Schlangenformation aus Hosenbügeln, Klebeband und Kabelbinder. Und Nadja Franks Schrott-Plastik "Heavy Metals (Cubic green)" macht einen Weg deutlich, der auf der Hand liegt: Warum etwas in Stein hauen, wenn man ein Fundstück hinstellen oder verändern kann? Andrea Hilgenstock

Georg Kolbe Museum , Sensburger Allee 25. Di-So 10-18 Uhr. Bis 4. September

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