Kunst

Ausflug nach Pergamon

Einen ersten 250 Quadratmeter großen Probedruck seines Pergamon-Panoramas hat der Berliner Architekt und Künstler Yadegar Asisi gestern in Dresden vorgestellt. Auf der Berliner Museumsinsel soll das monumentale 360-Grad-Panorama der antiken Stadt ab 30. September ein Jahr lang zu sehen sein.

Das 10 Meter breite und 25 Meter hohe Teilstück des Bildes ließ Asisi in seinem Dresdner Panometer zur Probe aufgehängen. Ein imposanter Eindruck. Das Gesamtwerk wird einen Umfang von rund 100 Metern haben, sagt Asisi. Es zeigt den Besuch des Kaisers Hadrian in der Stadt im Jahr 129. Mit Projektionen, Musik und Geräuschen wird ein Tagesablauf simuliert. Mit dem neuen Panorama möchte Asisi, ein im besten Sinne Besessener, der jetzt in der Endphase des Projekts täglich bis zu 16 Stunden in seinem Atelier arbeitet, den Besuchern des Pergamonmuseums helfen. "Die komplexen Themen werden einem jeden, der sich noch nie mit der Materie der antiken Kultur auseinandergesetzt hat, erschlossen", hofft der Künstler.

Zehn Terabyte braucht das Panorama

Die Probeaufhängung habe gezeigt, dass die Technik zufriedenstellend funktioniere und eingesetzt werden könne, sagt Raimund Marx, der Technische Leiter der Firma Marx und Moschner aus dem nordrhein-westfälischen Lennestadt, die Druck und Hängetechnik entwickelt und ausgeführt hat. Der 700 Kilogramm schwere Polyesterstoff sei knick- und feuchtigkeitsunempfindlich und dank neuer Hängetechnik frei beweglich. Auch sei die Auflösung der Drucke höher als zuvor. Die gesamte Bilddatei sei etwa zehn Terabyte groß.

Für das Projekt war Asisi mehrmals ans Mittelmeer gereist. Im türkischen Bergama, wo die antike Stadt einst stand, machten er und sein Team Landschaftsaufnahmen. Während der Planung des Projektes in der Türkei ließ Asisi eigens ein 30 Meter hohes Gerüst errichten, um die optimale Perspektive herzustellen. Auf dem Burgberg von Pergamon soll der Betrachter sich fühlen und in die blühende Kultur, Architektur und in das Leben der hellenistischen Stadt eintauchen. In Zusammenarbeit mit Archäologen fügte der Künstler anschließend Rekonstruktionen des Tempels aus griechischer und der Bauten aus römischer Zeit in die Aufnahmen ein. Auch standen 70 Statisten in historischen Kostümen Modell. Fünf Jahre seien seit den ersten Gesprächen zum Projekt vergangen, sagt Asisi.

Die Besucher würden beim Betreten der Ausstellung nicht wie üblich zuerst den berühmten Pergamonaltar sehen, sondern sein Panorama, sagte der Künstler weiter. Es folge eine Ausstellung mit zum Teil noch nie gezeigten Exponaten. "Die Leute werden sie sehen, sich an das Panorama erinnern und sie in ihm verorten." Er erwarte etwa 600 000 Besucher. Die Ausstellung "Pergamon. Panorama der antiken Metropole" soll ein Jahr lang auf die Museumsinsel einladen, derzeit wird noch die bauliche Hülle des Panoramas im Ehrenhof des Pergamonmuseums errichtet.

Yadegar Asisi, Jahrgang 1955, gilt als bedeutendster lebender Panoramenmaler im deutschsprachigen Raum. Der in Wien geborene Sohn iranischer Eltern wuchs in Leipzig auf und studierte zu DDR-Zeiten Malerei sowie Architektur in Leipzig und Dresden. 1995 stellte er im Berliner Stadtraum Panoramen mit Stadtansichten des künftigen Berlins aus. Seit Jahren erstellt er begehbare 360-Grad-Panoramen. In Leipzig und Dresden hat Asisi mit seinen monumentalen Panoramabildern bereits großen Erfolg. Seit 2003 besuchten mehr als 2,5 Millionen Menschen seine sogenannten Panometer, wo derzeit das Zauberland Amazonien und Dresden zur Barockzeit zu sehen sind.

Berliner Mauer und Titanic

Asisi kündigt an, in den kommenden Jahren zehn neue Panoramen eröffnen zu wollen, darunter zur Berliner Mauer und zum Untergang der Titanic. Bei der Darstellung zu dem 1912 gesunkenen Ozeandampfer Titanic will Asisi das Thema Mensch und Naturgewalt aufgreifen: "Die Titanic ist ein Symbol für die Hybris des Menschen." Die neue Bildtechnik ermögliche erstmals schnelle Wechsel zwischen zwei Ausstellungen, was dann nun auch Schauen von wenigen Monaten Dauer ermögliche.

Für sein Panoramabild der Berliner Mauer sucht Asisi derzeit einen Standort. "Wir sind dabei, den idealen Partner zu suchen", sagt ein Sprecher der Asisi Visual Culture GmbH. Die Gedenkstätte Berliner Mauer sei mit im Gespräch. Eine weitere Möglichkeit sei ein Standort in Kreuzberg. Das würde passen, weil das Panorama einen Blick von dort über die Mauer darstelle. Das Thema des Werkes sei das Arrangement der Berliner mit der Mauer, so Asisi: "Als ich vor der Wende in Kreuzberg gewohnt habe, habe ich die Mauer gar nicht mehr gesehen."

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