Ausstellung

Mythen und Märchen: Aktuelle Videoarbeiten im Guggenheim

In ein Labyrinth aus verdunkelten Kojen hat sich der große Raum der Deutschen Guggenheim diesmal verwandelt. Sie schaffen den Rahmen für die Arbeiten von sechs Videokünstlern, die alle mit Motiven und Erzähltechniken aus Mythen, Fabeln und Märchen spielen.

Es war einmal: "Fantastic Narratives in Contemporary Video" ist der treffende Titel der von Joan Young, Kurator für zeitgenössische Kunst des Guggenheim Museums in New York, konzipierten Ausstellung, die mit Francis Alÿs, Pierre Huyghe, Aleksandra Mir, Cao Fei, Mika Rottenberg und Janaina Tschäpe Ikonen zeitgenössischer Videokunst versammelt. Damit setzt das Haus die Vorstellung von Arbeiten aus der New Yorker Sammlung des Guggenheim fort und lädt zu einem Fest der Fabulierkunst ein.

In "Whose Utopia" (2006) veranschaulicht die chinesische Videokünstlerin Cao Fei den drögen Alltag chinesischer Arbeiter in einer Fabrik, deren Versprechen auf bessere Arbeitsbedingungen viele junge Chinesen in die Region gelockt hatte: Erst sieht man nur Maschinen bei der Arbeit, dann Arbeiter, die in Kostümen und Straßenkleidung mit Tanzbewegungen ihre Sehnsüchte und Träume zum Ausdruck bringen, schließlich nüchterne Porträts der Menschen an ihren Arbeitsplätzen.

Triumphierend steht sie auf einem Hügel, die amerikanische Flagge in der Hand, unten erscheint der bekannte Spruch von Neil Armstrong, dem ersten Mann auf dem Mond: "Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein großer für die Menschheit." Für ihr Video "First Women on the Moon" (1999) ließ die in Polen geborenen Künstlerin Aleksandra Mir in einer aufwendigen Inszenierung an einem Strand in den Niederlanden eine gigantische Mondlandschaft nachbilden. Eine der poetischsten Arbeiten kommt von Janaina Tschäpe. In einem Saal im Schloss Ettersburg bei Weimar - ehemals Treffpunkt literarischer Größen wie Goethe und Schiller sowie in unmittelbarer Nähe der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald - tanzt eine kostümierte Frauenfigur, mit einer Krause aus Luftballons. Der Titel der Arbeit "Lacrimacorpus" (2004) spielt auf ein Fabeltier des Schriftstellers Jorge Luis Borges an, ein scheues Waldwesen, dass sich, in die Enge getrieben, in Tränen auflöst. In einer Welt, in der die mediale Vermittlung die Wirklichkeit überwuchert, ist das künstlerische Video mit seinen subtilen Eingriffen oft das wirkungsvollste Medium eines Kommentars.

Deutsche Guggenheim Unter den Linden 13/15, Mitte. Tel. 202 09 30. Tägl. 10-20 Uhr. Bis 10. Oktober.