Krisenstabil

60 Millionen für ein Bild: Dreht der Kunstmarkt durch?

Ein deutscher Fabrikant zahlt dem Vernehmen nach 60 Millionen Euro für ein Gemälde - und die Fachwelt spricht von einem "Schnäppchen".

Es gilt als sicher, dass Hans Holbeins "Schutzmantelmadonna" einen noch viel höheren Preis hätte erzielen können, wenn sie auf dem internationalen Markt angeboten worden wäre. Dem kalifornischen Getty-Museum soll sie 120 Millionen Dollar wert gewesen sein. Als nationales Kulturgut durfte das Bild jedoch nicht ausgeführt werden.

"Das ist ein Glücksfall, ein absoluter Glücksfall", jubelt Henrik Hanstein, Inhaber des Auktionshauses Lempertz in Köln. Der neue Eigentümer Reinhold Würth wolle das Werk schließlich in der Johanniterhalle in Schwäbisch Hall ausstellen. "Er hätte ja auch sagen können: 'Ich häng das in mein Wohnzimmer'. Wie der Baseler Bürgermeister Jakob Meyer." Der hatte das Gemälde 1526 in Auftrag gegeben. Derzeit hängt es noch im Frankfurter Städel Museum. Die bisherigen Eigentümer, die Erbengemeinschaft nach Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein, hatten es 2003 dem Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Dass ein Bild wie dieses, ein absolutes Spitzenwerk, zum Verkauf steht, ist eine große Ausnahme auf dem Markt für Alte Meister. Denn der schrumpft immer weiter. Es kommt nichts mehr nach - bis auf die eine oder andere Entdeckung vom Dachboden, aber das ist selten. Und was sich die Museen sichern, wird dem Markt für immer entzogen.

"Das Getty-Museum hat ja unerschöpfliche Geldmittel, aber kann dieses Geld nicht unterbringen", sagt Hanstein. Eine Sammlung wie die Alte Pinakothek in München oder die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden lässt sich auch mit x-Milliarden nicht zusammenkaufen; die Bilder sind einfach schon weg. Die bayerischen und sächsischen Kurfürsten und Könige haben eben ein paar hundert Jahre eher mit dem Sammeln angefangen.

Aus diesem Grund ist der Markt für Alte Meister auch keinen großen Konjunkturschwankungen ausgesetzt. Für richtig gute Sachen gibt es immer Abnehmer - gerade auch in der Krise. "Der Markt ist ziemlich stabil", sagt der Altmeister-Experte des Londoner Auktionshauses Sotheby's, George Gordon. "Ich habe nicht den Eindruck, dass wir einen Zustrom von Neureichen erleben, die Alte Meister kaufen und dabei nicht wissen, was sie tun." Auf lange Sicht gilt alte Kunst als sehr sichere Kapitalanlage. Wenn es in den vergangenen Jahren einen Trend gab, dann den, dass man eher auf die besten Werke weniger Bekannter setzt als auf schwächere Werke der ganz Großen. Spitzenqualität, egal von wem sie kommt, das ist es, was gesucht wird. Und was Spitzenqualität ist, lässt sich bei der alten Kunst viel leichter sagen als bei der modernen.