Dichtung

Manfred Peter Heins Verse gegen Vergessen und Sprachlosigkeit

Wenige der großen Menetekel-Dichter haben die Urgründe ihres Schreibens aus dem 20. ins 21. Jahrhundert hinübergerettet.

Zu denen, die sich nach wie vor als Zeitzeugen begreifen und ihre Verse dem Erinnern widmen, gehört der 1931 in Darkehmen/Ostpreußen geborene Manfred Peter Hein. Der Mahner in der Tradition Johannes Bobrowskis und Peter Huchels hat seine Prägung durch den Nationalsozialismus sowie die Flucht aus Ostpreußen 1945 in seiner autobiografischen Erzählung "Fluchtfährte" offengelegt. Die Gedichte aber, die er seit 1956 schreibt, sind eine einzige Gegenbewegung zu seinen jugendlichen Irrtümern und Verblendungen. Seit über 50 Jahren wirkt Hein in seiner Wahlheimat Finnland als Vermittler nordosteuropäischer Literatur.

Die Moderne Osteuropas geistert durch seine Gedichte, die sich modischen Strömungen verweigern. Gut, dass der Wallstein Verlag die syntaktisch flattriger werdenden Gedichte des nunmehr Einundachtzigjährigen noch einmal in einem Gedichtband aufhebt. Denn meistens gelingt dem Autor die beharrlich gepflegte, hoch konzentrierte metaphorische Form, in der als Chiffre jenes "Gegenlicht" aufscheint, das das geschichtliche Dunkel erhellen soll. Auch in "Weltrandhin" setzt Hein seine Verse gegen Vergessen und Sprachlosigkeit. Assoziationen zu eigenen Erlebnissen weitet er im Gedicht zum Archetypus. In ihm treffen sich die konkrete Historie und die Erfahrungen aller Geschundenen.

Manfred Peter Hein Weltrandhin. Wallstein, Göttingen. 174 Seiten, 19,90 Euro.