Erich Mühsam

Editionspremiere

Es geht um Geldmangel, erotische Obsessionen und die Münchner Künstlerboheme: Die Tagebücher des Kritikers und Anarchisten Erich Mühsam (1878-1934) lesen sich wie ein spannendes Dokument über den Kulturbetrieb und die deutsche Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wie viele Künstler der Zeit notierte Erich Mühsam Tag für Tag die Namen derer, die er auf seinem urbanen Streifzug durch die Stadt und in seinem Stammlokal getroffen hat. Er kannte jeden - und umgekehrt. Es ein "Who is Who" der damaligen Kulturszene, die dort aufgezählt wird: Feuchtwanger, Wedekind und Oppenheimer. In Berlin wurde nun ein literarisches Mammutprojekt vorgestellt: Der Verbrecher Verlag will die Tagebücher des berühmten Anarchisten auf 7000 Seiten in 15 Bänden herausbringen. Bei der Editionspremiere im Brecht-Haus las Schauspieler Josef Bierbichler aus dem ersten Band ("Tagebücher 1. 1910-1911", Verbrecher Verlag, 28 Euro).