Gendarmenmarkt

Bond-Hits are forever: Funkelnder Abschluss von Classic Open Air

Open-Air-Kinos gibt es im Sommer mehr als genug in der Stadt. Am Dienstag kam kurzfristig noch ein weiteres hinzu, am Gendarmenmarkt. Zumindest akustisch. Das Royal Philharmonic Orchestra unter Carl Davis spielte die Songs aus allen James-Bond-Filmen.

Ein funkelnder Abschluss der 20. Classic Open Air-Saison. Manche mochten bedauern, dass an die Säulen des Konzerthauses nur psychedelisches Lichtdesign angestrahlt wurde - und nicht auch Szenen aus den Agentenkrachern. Aber die braucht es gar nicht: Hört man Evergreens wie "Goldfinger" oder "Thunderball", hat man die Bilder dazu gleich im Kopf. Und mit den Songs verhält es sich wie mit den Diamanten in einem von ihnen: Sie sind forever .

Die Rollen sind an diesem wolkenlosen Abend klar verteilt. Dominique Horwitz ist so was wie Miss Moneypenny. Er ist der Stichwortgeber, er darf als Moderator zwischen den Stücken Anekdoten zum Besten geben, die man immer wieder gern hört, wie die, dass Sean Connery selbst auf dem Klo von Paparazzi aufgelauert wurde. Carl Davis gibt den Q; der unermüdliche Dirigent treibt sein Londoner Orchester an, tunt es hoch, lässt es mit Lust scheppern und krachen. Dass er kein steifer Orchesterleiter ist, beweist er schon mit seinem erst bläulich, nach der Pause dann gülden glitternden Gehrock.

Der Star des Abends aber ist, die Lizenz zum Singen hat die Sängerin Mary Carewe. Eigentlich möchte man die Britin offen bedauern. Denn sie muss sich den Vergleich mit zahllosen Größen auf einmal gefallen lassen, mit Shirley Bassey, Nancy Sinatra, Tina Turner, Madonna und und und. Nur die angesagtesten Stars dürfen ja für Bond ans Mikro. In der ersten Hälfte scheint Miss Carewe den Druck auch zu fürchten. Die Klassiker der 60-er, 70-er Jahre, die Bond-Ära von Connery bis Moore singt sie ehrenhaft, aber doch auf Nummer Sicher. Erst nach der Pause, zur Dalton/Brosnan/Craig-Phase dreht sie richtig auf. "Licence to Kill" wird in ihrer Interpretation zum Highlight des Abends - und danach gibt sie alles, was die Stimme hergibt. Bond-Songs kann man nicht einfach nur singen, die muss man, wie Shirley Bassey, schmettern und plärren.

Ein würdiges Finale für die Jubiläumsausgabe von Classic Open Air. Und die Veranstalter können zufrieden sein. Über 650 000 Zuschauer hat man in den vergangenen zwei Dekaden erreicht, rund 37 000 allein in diesem Jahr. Im Schnitt kamen 5000 pro Abend; der Renner waren die Scorpions mit 6000 Gästen. Und das Beste: 2011 fiel kein einziges Tröpfchen vom Himmel, vom fast schon notorischen Classic Regen diesmal keine Spur.