Konzert

Afrika ist überall: Paul Simon begeistert in der Zitadelle

Es wirkt alles zu groß an ihm, die Sonnenbrille, die Gitarre und die eigene Legende, als Paul Simon auf die Bühne eilt. Ein Musiker drückt das Akkordeon, der nächste hämmert an die tiefe Trommel, weitere sechs Musikanten fallen ein.

"It's every generation throws a hero up the pop charts", singt der 69-Jährige. Das Lied ist 25 Jahre alt, "Boy In The Bubble" heißt es. Und man hört es längst nicht mehr als Klage über die Apartheid und den Terror damals in Südafrika. Es handelt heute von Paul Simon selbst, dem kleinen Mann in seiner Mythenblase.

Er tritt auf unter dem Motto "Große Stars auf kleinen Bühnen" für den Sender "Spreeradio". Natürlich wirkt die Bühne ganz und gar nicht winzig auf dem Hof der Spandauer Zitadelle. Das gewaltige Gerüst hat eine umfangreiche Band zu tragen und vor allem einen Sänger, der von Stück zu Stück zu wachsen scheint. Während sich Generationskollegen wie Bob Dylan und Neil Diamond für erneute Heldentaten feiern ließen, hingen ihm die ewigen Mädchenlieder und die lästigen Geschichten an. Wie er sein Album "Graceland" aufnahm: 1986 fuhr er nach Südafrika, brach das Kulturembargo und ließ sich von einheimischen Musikern aus seiner Schaffenskrise helfen. "Graceland" ging als einträglichster Sündenfall der Weltmusik in die Geschichte ein.

Als wäre nie etwas gewesen, spielt Paul Simon heiter seinen Afropop, wieder begleitet vom Bassisten Bakithi Kumalo aus Soweto. Songs wie "Diamonds On The Soles Of Her Shoes" und "Gumboots", vor sich wiegenden Savannengras. Er spielt auch "Dazzling Blue" und "So Beautiful Or So What", zwei neue Stücke, mit denen er an seine Pioniertaten erinnert, an den Geist von 1986. Seine Geschichte fängt nicht mehr bei Simon & Garfunkel 1964 an und hört nicht 1990 auf. Sie reicht von Elvis Presleys "Mystery Train" über die Beatles und "Here Comes The Sun" bis hin zur Allerweltsmusik der Hipster von 2011. Dazwischen hören seine Hits sich an wie Sammlerstücke. Als Paul Simon von den "Sounds Of Silence" singt und bittet, dass niemand die Stille störe, dröhnt ein Hubschrauber über die Bühne. Ohne dass sich jemand um den Fluglärm schert.