Festival

Viel Musik, viel Sekt: 20 Jahre "Classic Open Air"

Ein festlicheres Wetter hätte man sich nicht wünschen können. "20 Jahre Classic Open Air" - wenn das kein Grund zum Feiern ist! Von Anfang an herrscht gute Laune auf dem voll besetzten Platz. Auch die Anwohner haben Dach- und Terrassenpartys organisiert.

"Hunderttausende von Noten warten darauf, in Musik umgesetzt zu werden. Noch sind sie eingeschlossen in den Instrumenten, noch jaulen sie in den Kehlen", stimmt der Moderator Herbert Feuerstein das Publikum ein. So viel Poesie darf sein, und auch der Kellner, der ständig mit Sektgläsern über die Bühne rennt, passt zur ausgelassenen Atmosphäre des Abends. Quer durch Zeit- und Stilräume geht die Reise der "First Night - The Best Of Classic Open Air". Die Highlights aus 20 Jahren Festivalgeschichte bilden die ganze bunte Vielfalt der Programme ab. Das geht von Händel bis Santana, von Italien bis Russland, von Barock bis zur Uraufführung.

Diese Uraufführung ist allerdings sehr kurz. Herbert Feuerstein dirigiert sein Ständchen zur Hochzeit von Monaco: Es besteht aus einem Triangelklang. Ansonsten schöpft das Jubiläumskonzert aus dem Vollen. Zahlreiche Stammkünstler des Festivals feiern auf der Bühne. Dabei ist der Eindruck, den die Künstler hinterlassen, durchaus zwiespältig. Die Sommergrippe grassiert. Anke Lautenbach musste ganz absagen. Alenka Genzel ließ Stimmschwächen im Voraus entschuldigen, dabei gehört ihr sehnsuchtsvoll schmachtendes "Höre ich Zigeunergeigen" mit der temperamentvollen Tanzeinlage ganz klar zu den Pluspunkten des Abends. Radoslaw Rydlewski hat in "Granada" größere Schwierigkeiten, die Stimme zu kontrollieren.

Das Publikum ist immer dankbar für ein paar kleine szenische Einfälle, wenn etwa Alenka Genzel als Papagena suchend durch die Orchesterreihen schweift oder Eva Lind im Uhrenduett mit Maske als geheimnisvolle Fremde auftritt. Die international renommierte Sopranistin sorgt für Höhepunkte im Programm.

Der Bereich des Crossover, die Mischung aus Klassik und Pop, gehörte von Anfang an zum Programmkonzept des "Classic Open Air"-Festivals und darf natürlich auch beim Jubiläumskonzert nicht fehlen. Der Crossover-Experte Bernd Wefelmeyer dirigiert ein paar eigene Arrangements, etwa Händels "Messias" mit treibenden Rhythmen.

Der Bariton Frank Matthias punktet mit Vielseitigkeit. Als Papageno ist er so überzeugend wie mit "New York, New York". Die drei Appassionante-Grazien sind in der Popabteilung deutlich besser aufgehoben als im Opernbereich.

Nicht alls läuft völlig rund: Herbert Feuerstein kämpft mit dem Licht und den Wäscheklammern, die sein Manuskript zusammenhalten sollen. Doch die Freude überwiegt an diesem Festabend ganz eindeutig. Angelika Weiz und Eduardo Villegas bringen mit Soul und Latin Music die Hüften der Zuhörer in Bewegung. Lichter kreisen an den Hauswänden. Am Ende stehen alle Künstler mit Sektgläsern auf der Bühne. "Oh" und "Ah", raunt das Publikum dazu. Beim Feuerwerksfinale mit dem Walkürenritt steht der Himmel über dem Konzerthausdach in bunten Flammen.