Bildband

Wim Wenders' schöne leere Welt

Keine Einleitung. Kein Nachwort. Keine Erklärung. Die Bilder stehen für sich selbst. Bilder, auf denen nie Menschen zu finden sind. Neutronenfotos. Bilder, die von melancholischer, aber epischer Leere getragen werden.

So zieht Wim Wenders um die Welt. Der Mann, wir wissen es längst, ist nicht nur ein Meister des bewegten, sondern auch einer des fotografischen Bildes. Ohne Kamera scheint er gar nicht erst aufzustehen, erst durch den Sucher scheint er in der Welt durchzublicken.

Einen Querschnitt durch sein fotografisches Schaffen von 1983 bis 2011 zieht nun der prächtige kleine Bildband "Places, strange and quiet" (Hatje Cantz, 124 S., 24,80 Euro). Der Titel sagt eigentlich alles. Die Bilder entstanden teils auf Motivsuche zu Filmen, wie die Straßenecke in Butte, die in "Don't Come Knockin'" wiederkehrte. Die meisten entstanden einfach auf der Durchreise, wie das verfallende Riesenrand mitten in einer albanischen Einöde (Foto), die Restrümpfe des Palasts der Republik in Berlin, die längst dahin sind, elegische Meeresbuchten in Japan. Oder das Freiluftkino in Palermo, wo ein Hornissenschwarm einst das Publikum verjagte - und dann den Fotografen. "Ich weiß nicht", schwant es Wenders, "es muss wohl eine Art eingebauter Radar sein, der mich oft in Gegenden führt, die sonderbar ruhig sind oder auf eine ruhige Art sonderbar." Das ist nicht nur sonder-, sondern oft ganz wunderbar. Man kann sich das, das Wortspiel sei erlaubt, ruhig mal anschauen.