Soloalbum

Pat Metheny kehrt zurück zu den Wurzeln

Neun Jahre alt war Pat Metheny, als ihn Simon & Garfunkel mit "The Sound Of Silence" überraschten. Einen merkwürdigen Jungen auf dem Land im Mittelwesten von Amerika, der bereits ahnte, dass es mehr Musik da draußen gab als in den Radios lief.

Er mochte auch die Hits. Aber noch mehr begeisterte er sich für Schallplatten, und für sämtliche Gitarren in der Nachbarschaft. Mit elf entdeckte er Miles Davis und beschloss, Jazzmusiker zu werden. 14 Stunden täglich übte er Jazzläufe und abseitige Harmonien auf der Gitarre.

Dass sich Pat Metheny jetzt mit 56 an die ursprüngliche Popmusik erinnert, die dreiminütigen Radiodramen seiner Jugend, spricht nicht für den Jazz wie er seither von Akademikern verstanden werden möchte. "What's It All About" lautet die Überschrift über Methenys neuem Album: Worum geht es? Es geht einerseits um musikalische Mysterien, um die gern beschworene innere Saite, die ein schlichter Song im Zuhörer zum Schwingen bringt. Und andererseits geht es um Bausteine, um kleinste Melodien und Klänge.

Den Song "The Sound Of Silence" spielt Metheny zwar auf seiner 42-saitigen Pikasso-Gitarre, einem dreihalsigen Instrument, das kreuz und quer bespannt ist und in den Konzertsälen der Welt bestaunt wird wie eine Monstranz. Aber er zupft das Lied wie ein verzopftes Lautenstück über die Sehnsucht nach der Stille.

In seinen Pausen hat sich Pat Metheny mit der sperrigen Gitarre und den abgenutzten Popsongs ein Idyll geschaffen. Einen Rückzugsort hinter dem Jazz, den immer bildungsbürgerlicheren Gepflogenheiten, Ansprüchen und Bräuchen. Um die Lieder endlich für ein Album aufzunehmen, hat er sich daheim allein im Schummerlicht vors Mikrofon gesetzt statt in ein Studio. Ohne das Auditorium im Sinn, aus Spaß. Vor einigen Jahren erklärte er: "Ich will, dass die Menschen wieder lernen, die komplexe Welt zu würdigen." Inzwischen hat man lernen müssen, dass die Welt komplexer ist als Wirtschaftsweise, Klimaforscher und Computerprozessoren denken können. Er spielt "Pipeline", eine ewige Hymne für den Strand und für die Surfer. Er spielt "And I Love Her" von den Beatles, denen bereits 1964 klar war, dass die Welt schon kompliziert genug ist.

Pat Metheny : What's It All About (Nonesuch)