Kulturgeschichte

Frischer Fisch: Das Aquarium als Guckkastenbühne

Lange war die Unterseewelt ein Reich der Finsternis, erst allmählich verlor der Ozean den Schrecken.

Während sich Forscher immer weiter auf das Meer hinaus und in immer größere Tiefen wagten, entdeckte das Bürgertum den Strand als Erholungsort. In England kam Mitte des 19. Jahrhunderts die Mode auf, an der Küste Muscheln, Farne und Seetang zu sammeln. Elegante Damen machten Jagd auf besonders schöne Exemplare, um ihre Boudoirs damit zu zieren. Ehe die maritime Tierwelt in die eigenen vier Wände gelangte, sollten jedoch noch einige Jahre vergehen, wie sich in Bernd Brunners reich bebilderter Geschichte des Aquariums nachlesen lässt. Als "Ozean im Kleinen" befriedigte das Meerwasseraquarium indes nicht nur die wissenschaftliche Neugier von Hobbyforschern. Fische als Haustiere wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum beliebten Renommierobjekt. Ein "Theater der neuen Art", so Kulturhistoriker Brunner, stellten dagegen die großen Publikumsaquarien dar. In seiner Sternstunde, schreibt er, war das Aquarium ein Abenteuer. Von dieser Magie ist wenig übrig.

Bernd Brunner: Wie das Meer nach Hause kam. Wagenbach, Berlin. 138 S., 10,90 Euro.