Vertragsverlängerung

Daniel Barenboim leitet bis 2022 die Staatskapelle

Der Maestro lässt auf sich warten - und der Regierende auch: Daniel Barenboim sitzt noch im Amtszimmer von Klaus Wowereit. Aber unterschrieben wird erst anschließend: Gewissermaßen öffentlich, während der eigens anberaumten Pressekonferenz. Und leserlich, zumindest was den Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden angeht.

Seine Mutter habe ihm immer gesagt, dass, wenn man Autogramme gibt, der Name auf jeden Fall lesbar sein sollte.

Nun ist das an diesem Mittwochmittag im Raum 319 des Roten Rathauses, dort finden sonst die wöchentlichen Senatspressekonferenzen statt, keine Autogrammstunde. Sondern eine Vertragsunterzeichnung. Und eine besondere dazu: Barenboim verlängert seinen Kontrakt als Generalmusikdirektor nicht um fünf - wie das in der Stadt bei kulturellen Leitungspositionen gemeinhin üblich ist -, sondern um zehn Jahre. Weil er ein außerordentlicher Künstler sei, wie Wowereit später sagt. Weil er hier in Berlin immer Verträge mit dieser Laufzeit hat, wie Barenboim selbst sagt.

Seit 1992 leitet der mittlerweile 68-Jährige die Staatskapelle, das Orchester der Staatsoper. Von den Musikern ist er längst zum Chef auf Lebenszeit gewählt worden - und prompt entspinnt sich ein locker-witziger Dialog zwischen Wowereit und Barenboim darüber, was denn nun länger sei: Zehn Jahre oder lebenslang.

Wie die Gespräche gelaufen sind, darüber schweigen sich die Beteiligten natürlich aus. Gregor Gysi hat die Verhandlungen für Barenboim geführt, er ist ebenso anwesend wie Staatsopern-Intendant Jürgen Flimm und Kulturstaatssekretär André Schmitz. Alle tragen Krawatte, Schmitz eine leuchtend blaue, Barenboim eine rosafarbene zum grauen Hemd. Lediglich Wowereit zollt den hochsommerlichen Temperaturen Tribut, hat die oberen Knöpfe seines weißen Hemdes geöffnet.

Das gegenseitige Loben gehört zum Ritual solcher Vertragsunterzeichnungen: Berlin habe ihm viel gegeben, sagt Barenboim. Er preist seine Staatskapelle, die Zusammenarbeit mit den Musikern. Der Regierende Bürgermeister freut sich über Barenboims "Bekenntnis zu Berlin" und erwähnt dessen gute Kontakte zur Bundespolitik, von denen auch die Stadt profitiert habe - eine Anspielung auf das finanzielle Engagement des Bundes bei der Sanierung der Staatsoper und den Zuschuss für die Staatskapelle.

Bis zum 31. Juli 2022 läuft der neue Vertrag. Ob Wowereit dann noch im Amt ist? Der Generalmusikdirektor wies mehr als einmal darauf hin, dass der Politiker den Kontrakt als Regierender Bürgermeister unterschrieben habe. Vielleicht hat er sich daran erinnert, dass es zehn Jahre zuvor Adrienne Goehler war, die Kultursenatorin der rot-grünen Übergangsregierung. Goehler präsentierte damals im Apollo-Saal der Staatsoper auch einen neuen Intendanten: Peter Mussbach. Der ist längst weg. Es gab Streit mit Barenboim. Zwei Alphatiere im Disput. Einer musste gehen. Gekommen ist schließlich Jürgen Flimm. Ein "wunderbarer Intendant" wie Barenboim sagt: "Wir streiten nie. Außer heute morgen".