Goethe-Institut

Klaus-Dieter Lehmann wünscht sich German Academy in New York

Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, wünscht sich eine German Academy in New York. "In unserem bisherigen Haus, das derzeit umgebaut wird - genau gegenüber dem Metropolitan Museum", sagte Lehmann der "Frankfurter Rundschau".

"Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA haben in den letzten Jahren gelitten." Daher fände er es "ganz schlecht", wenn das Haus, das die Nachkriegsgeschichte zwischen den USA und Deutschland widerspiegele, verkauft würde. "Damit verkauft man auch seine Seele." Er hoffe, "dass man uns keine Steine in den Weg legt, ein Projekt nach dem Muster der American Academy in Berlin zu verwirklichen." Dies sei eine Idee "mit Charme und großer kulturpolitischer Wirkung".

Am Dienstag feiert das Goethe-Institut seinen 60. Geburtstag mit einem Festakt in Berlin. Nach Einschätzung von Lehmann ist das Institut wichtiger denn je. Die Schwerpunkte seien derzeit zum einen ausgerichtet auf die Entwicklungen im Nahen Osten und Nordafrika, zum anderen auf die in den großen Volkswirtschaften wie in China und Indien. Ein weiterer großer Bereich sei die Sprachpolitik: Es gehe um Länder, die bislang eine Bevölkerung mit guten Deutschkenntnissen hätten wie Russland. Dort werde aber die Sprachpolitik geändert, Deutsch nicht mehr als erste Fremdsprache gelehrt. "Da betreiben wir eine offensive Sprachpolitik, dass Deutsch nach Englisch als zweite Fremdsprache erhalten bleibt", sagte Lehmann der Nachrichtenagentur dpad.

Angesichts der Griechenland-Krise warnte er davor, Europa nur als Euro-Land zu betrachten. "Wenn das wirklich so wäre, dann wäre es tragisch. Dann wäre es ja so, dass, wenn der Zahlmeister nicht mehr zahlen würde, alles zusammenbräche." Europa sei vielmehr eine Region, die nicht nur durch ethnische oder ökonomische Dinge verbunden sein sollte, sondern durch gemeinsame Wertschätzung für Gesellschaft, Kultur und Bildung. Zur 60-Jahr-Feier hat Lehmann den in China derzeit unter Hausarrest stehenden Künstler Ai Weiwei eingeladen. Dieser habe vor der Inhaftierung zugesagt, werde aber nun doch nicht dabei sein.