Generalsekretär

Ein Posten, den keiner braucht - außer die ARD

Aufgemerkt, es ist wieder ein Job zu haben bei den Öffentlich-Rechtlichen. Zugegebenermaßen keine Intendantenstelle wie jüngst bei den Kollegen des ZDF. Gut verdienen lässt sich trotzdem, geht es doch um den Chefsessel im sogenannten ARD-Generalsekretariat.

Bekannt ist dieses nur äußerst gut unterrichteten Sender-internen Kreisen, welchen Sinn seine Schaffung hatte, erfordert mehr als eine Investigativrecherche.

Relevant für die Öffentlichkeit wurde es nur einmal, im März dieses Jahres. Damals hatte die Juristin Verena Wiedemann, seit fünf Jahren die erste und nun womöglich letzte Chefin dieser öffentlich-rechtlichen Berliner PR-Außenstelle, die altehrwürdigen ARD-Intendanten des Mobbings bezichtigt. Seit vergangenem Dezember war sie krankgeschrieben. Zuvor hatte ihr Anwalt der ARD vorgeworfen, das Generalsekretariat abschaffen zu wollen, weshalb seine Mandantin fortan gegängelt worden sei. Ob Wiedemann Schmerzensgeld und Schadenersatz zustehen, wird im September vor Gericht verhandelt. Gestern nun hat die 53-Jährige endgültig das Handtuch geworfen, die Verlängerung ihres Vertrages um weitere fünf Jahre abgelehnt. Nach endlosen Diskussionen über Rundfunkänderungsstaatsverträge, Teilnahme an diversen Kommissionen und Einschätzung von Dreistufentests ist jetzt Schluss. Den ARD-Apparat lässt sie ratlos zurück. Was war da nur wieder falsch gelaufen? Egal. Da man beim Senderverbund aus Tradition immer wohlgemut nach vorne blickt und Altlasten gern verjähren lässt, nimmt man sich auch die fristlose Kündigung von Wiedemann nicht weiter zu Herzen.

Vielmehr fährt man mit bewährter Strategie fort und kündigt an, das Amt unbedingt wiederbesetzen zu wollen. Der Senderverbund ohne Generalsekretariat? Wo kämen wir da hin? Laut ARD-Website geht es hier schließlich um nicht weniger als die strategische Positionierung der ARD, die Interessenvertretung nach außen - und die Öffentlichkeitsarbeit. Man fragt sich, wie das Mammut-Rundfunkunternehmen in den vergangenen Jahrzehnten nur ohne diese Stelle auskommen konnte.

Dass nun mit dem Abgang von Verena Wiedemann ausgerechnet der Job, der Akzeptanz für die GEZ-Gebühren schaffen sollte, so unverhofft wegbricht - man muss es Schicksal nennen. Aber vielleicht findet sich in den eigenen Reihen ja doch noch ein würdiger Nachfolger. Einzige Voraussetzung: Wenn die ARD-Landesfürsten sprechen, muss er im entscheidenden Moment still halten können und sich als ideologisch biegsam erweisen. Keine leichte Aufgabe, wie der aktuelle Fall auf dramatische Weise vor Augen führt. Welche Qualifikationen darüber hinaus wünschenswert sind, um die Stelle zu ergattern, konnte bis Redaktionsschluss leider nicht in Erfahrung gebracht werden. Sieht man die medienpolitischen Ränkespiele im Innern der ARD als Herausforderung und Steilvorlage für einen beherzten verbalen Rundumschlag, ist man dem ausgelobten Traumjob aber sicher ein Stück näher.