Sachbuch

So mühsam ist Politik: Auf der Suche nach der richtigen Strategie

Über den "Terror des Terminkalenders" klagte Willy Brandt selbstkritisch, als er schon nicht mehr Bundeskanzler war. Die meisten Spitzenpolitiker kommen heute, vier Jahrzehnte später, noch weniger dazu, ausführliche strategische Gespräche zu führen.

Dieser Mangel schadet der Politik, und daher verlangen Joachim Raschke und Ralf Tils: "Politik braucht Strategie. Taktik hat sie genug".

Die beiden Politikwissenschaftler vertreten ihr Plädoyer glaubwürdig, haben sie doch das Thema Strategie erst in ihrem Fach in Deutschland etabliert. "Politische Strategie" lautete das grundlegende Werk, das Raschke und Tils vor vier Jahren veröffentlicht hatten. Nun haben sie dieses verknappt und pointiert. Strategie sei weder ein Fertigprodukt noch ein Handwerk, schreiben sie.

Doch schon die Bildung einer Strategie zwinge zum Nachdenken über Lage, Optionen und Nebenwirkungen. Mancher Akteur hält schon dies für überflüssig. Raschke und Tils benennen zehn Parameter strategischer Politik: Zeit, Arenen, Themen, Personen, Symbole, Organisation Problempolitik, Konkurrenzpolitik, Öffentlichkeit, Bürger/Wähler - und deklinieren diese durch. Schon in ihrem ersten Kapitel liefern sie eine Politische Strategiegeschichte der Bundesrepublik Deutschland. "Konrad Adenauers Wille zur Dominanz" mündete in seinem großen Wahlsieg 1957, mit dem sich indes wenig später herausstellte: "Zuviel Macht macht dumm. Ohne Koalition wurde das Regieren schwerer." Und Angela Merkel? Merkel lässt diskutieren, aber sie diskutiert nicht mit. Nach Merkel werde die CDU "personell, programmatisch und organisatorisch neu anfangen", prognostizieren die Autoren. Eine Strategie sieht anders aus.

Joachim Raschke und Ralf Tils: Politik braucht Strategie. Campus, Frankfurt/M. 260 S., 24,90 Euro.