Käthe-Kollwitz-Preis

Wie klingt der Sound einer Metropole?

Wir haben ein beschränktes visuelles Blickfeld, doch wir hören 360 Grad - also alles. So die These von Janet Cardiff & George Bures Miller, die so etwas sind wie die tüftelnden Akustiker unter den bildenden Künstler.

Überall, wo die beiden auftauchen, spitzen sie die Ohren, um Geräusche zu sammeln und zu recherchieren. Unterscheidet sich der Sound der großen Metropolen? Wie klingt Berlin? Berlin, wo das Künstlertandem aus Kanada ein kleines Studio besitzt, hat einen ruhigen Sound, finden sie, verglichen mit Metropolen wie London oder New York. Besonders am Wochenende in der Früh sei die Stille so wie in keiner anderen Stadt.

Ihre Beschäftigung mit Klangkunst, Video und Architektur, also das Mediengrenzen Überschreitende ihrer Arbeiten, hat den beiden Künstlern nun den Käthe-Kollwitz-Preis eingebracht. Der wird verliehen von der Akademie der Künste und ist mit 12 000 Euro dotiert, zudem ist eine Ausstellung in der Akademie am Pariser Platz zu sehen. Unbekannt sind die beiden Kanadier wahrlich nicht seit der Biennale in Venedig im Jahr 2001, in Berlin haben sie bereits im Hamburger Bahnhof ausgestellt, im Hebbel am Ufer inszenierten sie einen skurrilen Videowalk als Gang durch den Unterbauch des Theaters, und erst kürzlich ging ihr Narrenschiff, eine ganz herrlich rumpelnde, fauchende und Nebel spuckende Theatermaschine vor dem HAU vor Anker. Nun steht "The Cabinet of Curiousness", ein schöner alter Zettelkastenschrank, wie man ihn noch aus Bibliotheken kennt, singulär in einem der großen Ausstellungsräume der Akademie.

Stille - bis der Besucher eine der 20 Schubladen öffnet. Diese akustische Wunderkammer bringt am besten auf den Punkt, wie die beiden Kanadier arbeiten: Statt Karteikarten werden hier Geräusche verschiedenster Art offeriert, jeweils einer per Kästchen. Callas, Wagner, eine Churchill-Rede über das Empire, ein Lied eines Kriegsveteranen. In einer Lade plätschert Wasser, dazu spielt Miller Gitarre. Wer mehrere Kästchen gleichzeitig aufschiebt, erlebt ein dadaistisches Soundgeschwirr.

Eine ganz andere Art der Wahrnehmungsverstörung ist die erstmals in Berlin präsentierte diabolische "Killing Machine", die durch Kafkas "Strafkolonie" inspiriert wurde. Per Kopfdruck setzen sich zwei tänzelnde Roboter in Bewegung und malträtieren mit Nagelschüssen das fiktive Opfer auf dem Folterbett. Das Töten erscheint als minutiös angelegter, perfekt inszenierter technischer Vorgang. Die "Faszination des Bösen" lauert überall. Auch in der Kunst.

Akademie der Künste , Pariser Platz 4, Mitte. Tel. 200 57 10 00. Di-So 11-20 Uhr. Bis 14.8.