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Ich lese gerade ... Thomas Bernhard: Holzfällen

Anton Haberditzl (48), Buchhandlung Lesezeichen , Hohenzollernplatz 7, Nikolassee: Thomas Bernhards Skandalbuch "Holzfällen" aus dem Jahr 1984, das wegen eines Ehrenbeleidigungsprozesses beschlagnahmt wurde, ist wie ein durchkomponiertes Stück Musik - mit Wiederholungen, Übertreibungen und Schimpfkanonaden. Es ist die Auseinandersetzung eines in die Jahre gekommenen Schriftstellers, dem Alter-Ego von Thomas Bernhard, mit dem Ehepaar Auersberger, Mäzene, die ihn zu Beginn seiner Karriere unterstützt haben. Bei einem ihrer Abendessen beobachtet er die Gäste aus Künstlerkreisen. Angeekelt von ihrer Oberflächlichkeit, räsoniert er innerlich und überschüttet alle mit Beschimpfungen, betreibt aber Selbstzerfleischung, denn ohne die Auersberger wäre seine eigene Karriere nie in Gang gekommen. Eine faszinierende Ambivalenz und sehr österreichische Mischung aus Depression und heurigenseligem Überschwang.

Thomas Bernhard: Holzfällen, Suhrkamp Verlag, 336 Seiten, 10 Euro.