"Das Große Kleinkunstfestival"

Nur der Gag zählt

Wenn sich heute zum elften Mal der Vorhang für "Das Große Kleinkunstfestival" in den Wühlmäusen hebt, werden nicht nur die über fünfhundert Zuschauer im Saal und zahlreiche Berliner live vor dem Fernseher die seit Monaten ausverkaufte Show verfolgen, sondern auch alle wichtigen Drahtzieher der bundesdeutschen Kleinkunstbranche.

Schließlich war im vergangenen Jahrzehnt kein vergleichbares Festival erfolgreicher im Entdecken der Stars von Morgen. Bekannte Künstler wie Rainald Grebe, Mario Barth, Eckart von Hirschhausen und Cindy aus Marzahn starteten als junge Talente beim Wettstreit um die mit je 2000 Euro dotierten Maus-Trophäen des Jury- und Publikumspreises erst richtig durch.

Selbst seit über fünfzig Jahren Kabarettist und Komödiant schöpft Hausherr Dieter Hallervorden bei der Auswahl der Wettbewerbsteilnehmer, die er gemeinsam mit Regisseur Thomas Kornmayer nach Sichtung unzähliger DVDs trifft, aber nicht nur aus seiner langen Berufserfahrung: "Ich glaube, dass ich einen Blick für Begabungen habe, und zwar bevor jemand bekannt ist. Kurt Krömer musste ich zur Teilnahme geradezu überreden", verrät er. Krömer gewann 2002 den Publikumspreis und avancierte quasi über Nacht vom Szene-Geheimtipp zum Star. Der Lokalmatador brachte alle Qualitäten mit, die Dieter Hallervorden für unabdingbar hält: "Bühnenerfahrung, - und eine möglichst persönliche Ausstrahlung."

Hallervorden gibt mit dem Wettstreit auch weniger bekannten Künstlern die Möglichkeit zum kleinen Auftritt neben illustren Gaststars - etwa Herbert Knebel, Gabi Decker, Oropax oder Frank Lüdecke in diesem Jahr. Während manche Gewinner direkt durchstarten, wie im Falle von Andreas Rebers und Olaf Schubert, haben andere wie Nessi Tausendschön oder Matthias Egersdörfer zwar ihr Publikum, kommen bei den Massen aber nicht an. Die Erklärung ist einfach: "Hohen Bekanntheitswert erreicht man durch eine starke Fernsehpräsenz. Den privaten Fernsehsendern sind die genannten zu weit ab vom Mainstream der Comedy-Szene", so Dieter Hallervorden.

Doch gerade die Mischung aus schrägem Sparten-Spaß und mehrheitsfähigem Humor macht den Charme des Kleinkunstfestivals aus. Noch recht jung hat sich der Berliner Gipfel längst an vorderster Front zwischen den arrivierten Festivals wie dem Deutschen Kleinkunstpreis oder dem Prix Pantheon positioniert. Nicht nur die Live-Übertragung im rbb zur besten Sendezeit, auch die zahlreichen Wiederholungen in den dritten Programmen sorgen für eine bundesweite Verbreitung.

Als Moderator wurde von Beginn an mit Dieter Nuhr ein Grenzgänger zwischen Kabarett und Comedy verpflichtet. Inszeniert wird der Gag-Marathon vom Show-Spezialisten Thomas Kornmayer, der schon für den Bayrischen Filmpreis verantwortlich zeichnete. Um die Promi-Dichte weiter zu erhöhen, wurden im Laufe der Jahre noch zwei weitere undotierte Maus-Trophäen ausgelobt: Seit 2003 wird der Berlin-Preis verliehen, der diesmal an Hans Werner Olm geht. Der vier Jahre alte Ehrenpreis, den bekommt heute Frank Zander.

Die Wühlmäuse, Pommernallee 2-4, Charlottenburg, Tel. 30 67 30 11. Live übertragen im rbb, heute, ab 20.15 Uhr.