TV on the Radio

Ein Mann für sehr unterschiedliche Tonarten

Jede musikalische Ära wird auch von ihren Produzenten geprägt. Man denke an Phil Spector und seinen opulenten Sound oder an die Achtziger und die Tricks von Trevor Horn. Wer weiß, wie die Neunziger verlaufen wären, wenn Butch Vig dem Album "Nevermind" von Nirvana nicht diese epochale Wucht verliehen hätte.

Mittlerweile hat sich die Musikwelt verändert, immer mehr Leute entwickeln ihre Songs selbst am Laptop. David Andrew Sitek beweist aber, dass Produzenten nicht ausgestorben sind. Bands wie Yeah Yeah Yeahs, Liars oder Foals, die ihn engagieren, sie kommen, weil sie seine Band TV On The Radio kennen und von deren schwer definierbarer Mischung aus Indie-Rock, Post-Punk, Soul und elektronischer Musik begeistert sind.

Unterhält man sich mit Sitek, spielt er seine Rolle herunter. "Ehrlich gesagt weiß ich nicht wirklich, was ich da tue. Es gibt Bands, die ihre Songs fertig geschrieben haben und gleich loslegen können. Es gibt aber auch welche, die nur über Skizzen verfügen und noch Anreize brauchen. Denen spiele ich Musik vor, die sie in Stimmung bringt. Irgendetwas muss schon von Anfang an vorhanden sein, sonst geht nichts." 2007 wollte Schauspielerin Scarlett Johansson ein Album aufnehmen und Songs von Tom Waits singen. Aber sie brauchte jemanden, der den Plan in die Tat umsetzen kann. Da kam sie auf Sitek, der die richtigen Musiker zusammenrief und für gespenstisch schönen Sound sorgte. "Wir knöpften uns die düsteren Songs von Waits vor, die ungestümen und brutalen, und machten quasi Schlaflieder daraus."

Sitek galt bisher als feste Größe in New York. Dort hat er seine Kontakte aufgebaut, kaum eine Auge zugetan und innerhalb eines Jahres 109 Songs geschrieben, wie er sich erinnert. Diese Zeiten sind vorbei. Nun lebt er in Los Angeles, sein Soloalbum unter dem Namen Maximum Balloon aus dem Vorjahr klingt wesentlich geradliniger und tanzbarer, als man von ihm gewohnt ist.

Trotz der vielen Nebenbeschäftigungen kümmert sich Sitek weiter um TV On The Radio und sorgt dafür, dass diese Band mit kreativer Energie versorgt wird. Vergleicht man das neue Album "Nine Types Of Light" etwa mit "Return To Cookie Mountain" aus dem Jahr 2006, könnte der Unterschied nicht größer sein. Damals spürte man die Wut in der Band. Wut über die politischen Zustände. Jetzt hört sich alles deutlich wärmer und versöhnlicher an. Der Einfluss von Obama und Los Angeles ist spürbar.

Nur: Was passiert, wenn es nicht mehr so gut läuft? "Die Ziele, die ich mir ursprünglich gesteckt hatte, habe ich längst alle erreicht", sagt Sitek, "wenn es hart auf hart kommt, suche ich mir was Neues. Dann werde ich vielleicht Landschaftsgärtner."

TV on the Radio spielen am Freitag im Astra Kulturhaus in der Revalerstrasse 99