Konzert

Peter Eötvös' neues Concerto stöckelt lustvoll vor sich hin

Die Spezialisierung in durchgeistigte, fürs Publikum unsichtbare Komponisten und andererseits Dirigenten, die als Pultdiven deren Werke im öffentlichen Konzertbetrieb verankern wollen, hat sich so erst vor anderthalb Jahrhunderten durchgesetzt.

Davor führten bodenständigere Künstler ihre Kompositionen zumeist selber auf, bevor sie sie wieder in der Schublade verschwinden ließen. Peter Eötvös steht eher in dieser Tradition: Bei den Berliner Philharmonikern führte der Komponist und Dirigent jetzt sein Cello Concerto Grosso auf. Wobei seine Musik streckenweise viel impulsiver wirkte als der sorgsam führende Mann am Pult.

Schon der Titel Concerto Grosso verrät seinen Rückgriff auf eine alte Musizierpraxis, bei der sich kleine Instrumentengruppen mit dem großen Apparat die Bälle zuwerfen. Eötvös erweitert es ins Solokonzert, Cellist Miklos Perenyi bringt buchstäblich den ungarischen Herzschlag mit ein. Denn Eötvös, 1944 in Transsylvanien geboren, möchte in den drei Sätzen noch einmal die Siebenbürger Kultur mit ihren Tanzrhythmen und ihrer ganz eigenen Melancholie heraufbeschwören. Irgendwann wird auch die Notenfolge B-A-C-H durchgereicht, wohl eine heimliche Verbeugung vor dem Schöpfer der Brandenburgischen Konzerte. Zweifellos ist Eötvös ein munteres, kurzweilig aufsprühendes Konzertstück gelungen, das verschiedene Spieltechniken wie das hart gezupfte "Bartok-Pizzicato" verwendet. Lustvoll stöckelt die Musik vor sich hin. Offenbar ist die Komposition mit ihren 25 Minuten kürzer geworden als erwartet.

Kurzerhand wurde noch zusätzlich Mussorgskys "Johannisnacht auf dem Kahlen Berge" ins Programm genommen. Dazu singt der Slowakische Philharmonische Chor Strawinskys vier frühe, eigentümliche Bauernlieder mit dem Titel "Unterschale". Das Finale gehört zwei üppigen Szenen aus Mussorgskys Oper "Boris Godunow". Viel Beifall.