Kulturpolitik

Anekdoten zum Abschied: Strövers letzter Kultursalon

Zum Abschied gibt es tatsächlich eine Premiere: Alice Ströver (Grüne) lädt zum Kultursalon ein - aber sie darf keine Fragen stellen. Denn Berlins unbequemste und wohl auch profilierteste Kulturpolitikerin ist zum ersten Mal seit 15 Jahren nur Gast in ihrer Gesprächsreihe.

Eine muss sein: "Ist aber nicht voll, oder?", fragt sie ihre Mitarbeiterin. Und die antwortet: "Das sagst Du jedes Mal!"

Später stehen Besucher in Ermangelung von Sitzplätzen vor der Theke. Vielleicht auch, weil es dort kühle Getränke gibt. Denn es ist heiß an diesem Donnerstagabend im Roten Salon der Volksbühne. Glücklich ist, wer einen Fächer mitgebracht hat - wie die Abgeordnete der Linkspartei, die ihrer Kollegin ein Geschenk mit Hintersinn überreicht: einen Gutschein für einen Filmabend im Babylon. Das sorgt für Lacher; viele scheinen zu wissen, dass die großzügige Förderung dieses Kinos durch den rot-roten Senat zu den Punkten gehört, die Alice Ströver nicht müde wurde, im Parlament und anderswo zu kritisieren.

Die Frau, die markante Ohrringe und den Fächer in die Berliner Kulturpolitik eingeführt hat, war auch da: Adrienne Goehler. Goehler und Ströver - das war das Tandem der ersten rot-grünen Koalition in Berlin: Die eine denkt, die andere lenkt; ein halbes Jahr war Goehler, im Sommer 2001 aus Hamburg geholt, Kultursenatorin und Ströver ihre Staatssekretärin. "Mein Regierungspraktikum", sagt Goehler und erinnert daran, wie sie von ihrer Mitarbeiterin darauf hingewiesen wurde, dass es nicht "Adlershorst", sondern "Adlershof" heißt und Orchester mit hartem "k" und nicht badisch ("das machen nur CDU-Politiker") ausgesprochen wird. Alice Ströver (55) hört im September auch mit ihrer parlamentarischen Arbeit auf, schwieg aber zu ihren beruflichen Plänen. Klar ist: Sollten die Grünen nach der Wahl einen Posten zu besetzen haben, sie würde sich nicht verweigern.