Musik

Vier Berliner Sängerstars in neuer Konzerthaus-Reihe

Es gehört zum guten Ton, zunächst einmal den Untergang des Abendlandes oder zumindest des gepflegten Liedgesangs heraufzubeschwören. Thomas Quasthoff kann das auf wunderbare Weise, er selbst ist ein begnadeter Liedgestalter und vor allem eine Rampensau.

Wohl deshalb hat ihn auch der Intendant des Konzerthauses, Sebastian Nordmann, zu einem Kamingespräch eingeladen, bei dem es genau genommen darum ging, einen neuartigen Liedgesang-Zyklus am Gendarmenmarkt zu bewerben.

In der neuen Konzerthaus-Reihe "Ein Abend..." ist Quasthoff gewissermaßen der Hahn im Korb. Neben ihm werden jeweils Annette Dasch, Christine Schäfer und Anna Prohaska zu einem Abend in den Kleinen Saal einladen. In gewisser Weise war Annette Daschs "Dasch-Salon" im Radialsystem ein Vorbild für das neue Begegnungsmodell. Ein Sänger lädt also ein und macht mehr oder weniger, was er will. Frau Dasch wird wieder am 21. Oktober eine noch unbekannte Anzahl von Freunden mit einbeziehen. Dagegen will die Berliner Anti-Diva Christine Schäfer am 22. Januar erst ihr Liederprogramm absolvieren und eine Art von Nachgespräch zulassen. Anna Prohaska, 27-jähriger Shooting-Sopran, zieht am 29. Februar gleich die ganz große Bildungskarte und verpflichtet einen Schauspieler hinzu. Das genaue Programm wird immer erst kurz vorher oder auch gar nicht bekannt gegeben. Altmeister Quasthoff will am 5. April den Musikhochschulprofessor geben und einen Schüler quasi in einer Lied-Erarbeitung vorführen.

Intendant Nordmann, der auch eine Professur an der Musikhochschule Rostock hat, ließ zuvor eine Umfrage über die Wahrnehmung von Liederabenden unter jungen Leuten machen. Die Beurteilungen unterstützt zweifellos die Untergangsattitüde: zu elitär, veraltete Texte, zu wenig Aktion und zu affektiert. Genau diese Kritikpunkte greift Quasthoff voller Leidenschaft auf und an - er fordert weniger sängerische Eitelkeit, dafür mehr Ehrlichkeit in der Darbietung.