Einblick in die Werbebranche

Auf ein paar Martinis mit einem echten Mad Man

| Lesedauer: 2 Minuten
Philipp Haibach

Aus dem wodka-nassen Mund der ehemaligen amerikanischen "Vogue"-Kolumnistin Dorothy Parker stammt bekanntlich der trockene Spruch: "I love a Martini but two at the most. Three, I'm under the table. Four, I'm under the host."

Gut möglich dass dieser "host", dieser Gastgeber also, unter dem sie zuweilen zu liegen pflegte, auch mal ein Werber war. So einer wie Jerry Della Femina, einer der bekanntesten überhaupt in den USA und nunmehr Berater der preisgekrönten TV-Serie "Mad Men". Diese erinnert gerade Millionen daran, dass es auch mal etwas anderes als Sprossen gab, was einem zu schaffen machte: "Alle rauchten (in meinem Fall waren es täglich vier Schachteln), alle tranken Martinis (ich genoss unzählige Drei-Martini-Lunches), und alle vögelten herum", heißt es im Vorwort von "Der letzte Mad Man - Bekenntnisse eines Werbers" (Berliner Taschenbuch Verlag, 300 S., 9,95 Euro). Das Buch gab's allerdings schon einmal: 1971 trug der Bestseller in der deutschen Übersetzung noch den ellenlangen Titel "Flauschig weich wird selbst die Leiche. Frontberichte aus dem Werbekrieg". Darin reiht Femina eine Anekdote an die andere wie manche leere Martini-Gläser. Doch das Buch taugt nur bedingt als zusätzlicher Kick für unersättliche "Mad Men"-Gucker. Denn Femina nimmt gleich zu Beginn jene verklärende Alkoholromantik zurück, wenn er etwa schreibt: "Der sicherste Weg, bei Thompson rausgeschmissen zu werden, war damals, leicht angedudelt in die Agentur zu kommen."

Femina hat eben keinen Roman geschrieben, vielmehr einen autobiografischen, süffigen Bericht, in dem er die vielen Kampagnen aufzählt, die er verantwortete. Und er beschreibt das nervenaufreibende Buhlen um die ganz großen "Etats" der Kunden - die stammten seinerzeit hauptsächlich von Bier-, Zigarettenfirmen und Fluggesellschaften. Darüber Zeugnis zu geben, war damals noch eine kleine Sensation. Die Werbebranche galt vielen als etwas geradezu Unheimliches, Unergründliches. Was allerdings heute immer noch fasziniert, ist dieser ganze Wahnsinn und die Paranoia: Schreibtische werden beinah aus dem Hochhausfenster gekippt, und mit 40 ist man im Grunde arbeitsunfähig. So brabbelt das Buch angenehm vor sich hin. Fast als säße man mit Femina bei ein paar Martinis. Klar, dass er sich da auch gern mal wiederholt.