Religiöses

Die ganze Wahrheit über Adam und Eva und ihre Nachfahren

Die Geschichte kennt jeder und doch nicht wirklich, oder? Adam und Eva stehen gleich am Anfang der Bibel, genauer im Buch Genesis. Aber wie war das noch einmal mit dem Apfel?

Tja, hier liegt schon der erste Irrtum vor. Von einem Apfel ist überhaupt nicht die Rede. Um diese Irrtümer und Interpretationen geht es in diesem hochgelehrten, nicht immer leicht zu lesenden Buch über Adam und Eva in den verschiedenen monotheistischen Religionen, also im Judentum, im Christentum und im Islam. Alle drei Religionen beziehen sich auf denselben Text, in verschiedenen Begleitkommentaren aber stellen Juden, Christen und Muslime eifrige Spekulationen an, etwa die, dass die Schlange Eva verführte - und zum Ende des dollen Treibens hin ihr, gleichsam zum Abschluss, noch die verbotene Frucht unterschob. Übrigens, die Schlange im Judentum ist nicht der Teufel, sondern eben eine Schlange, und eine Erbsünde gibt es nicht, weil Gott dem Menschen die Freiheit der Wahl und auch der Umkehr gegeben habe. Schön war der Sündenfall allerdings auch im Judentum nicht. Eva versucht sogar noch einmal, mit ihrem Sohn Seth in den Garten Eden zu kommen, holt sich beim Parkwächter, dem Erzengel Michael, allerdings eine Abfuhr.

Folgt man den islamischen Quellen, musste Adam nach der Vertreibung aus dem Garten Eden noch zehn Prüfungen bestehen; dabei hätte die Vertreibung doch wirklich gereicht. Wie auch immer, eine Aufgabe bestand darin, hundert Jahre von Eva getrennt zu sein. Die beiden begannen einander auf der ganzen Welt zu suchen, fanden sich und - was machen Paare, die sich lange nicht sahen? Richtig. Dreimal dürfen Sie nun raten, wo die "Wiedervereinigung" stattfand? Nach islamischer Überzeugung in Mekka.

Christfried Böttrich, Beate Ego und Friedmann Eißler: Adam und Eva. In Judentum, Christentum und Islam. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen. 199 Seiten, 19,95 Euro.

( J.S. )