Verlagswesen

Ende eines Wunschkonzerts: Eichborn ist insolvent

Im Nachhinein ist man immer klüger, heißt es zumeist entschuldigend, aber dieses Mal hat man das Malheur nun wirklich kommen sehen. Der Eichborn Verlag hat gestern Insolvenz angemeldet, die im Januar angekündigte Fusion mit dem Aufbau Verlag aus Berlin wird nicht zustande kommen.

Dieser Schritt sei notwendig geworden, da der Verlag die erforderliche Sanierung nicht aus eigener Kraft finanzieren könne, teilte das Unternehmen mit. Versuche, eine Finanzierung von außen zu erlangen, seien nicht erfolgreich gewesen.

Damit endet vorerst ein Schauspiel, in dem einige Akteure nicht recht zwischen Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden konnten. Eine Fusion zwischen Gleichen verkündeten die Eigentümer der beiden Verlage Anfang des Jahres und schon damals war das eine kuriose Ansage, war es doch zu eindeutig, dass der verlustgeplagte Eichborn Verlag Juniorpartner sein wird. "Die Kommunikation in Frankfurt war unglücklich", sagt Tom Erben, der Geschäftsführer bei Aufbau heute. Was wohl keiner bestreiten kann. Denn zum einen wollte Eichborn-Hauptgesellschafter Ludwig Fresenius bei der Pressekonferenz im Januar Glauben machen, dass doch eigentlich alles großartig sei in seinem Verlag und er sich vor fusionswilligen Interessenten kaum retten könne. Dieser Fata Morgana folgten die Mitarbeiter der Eichborn AG, die sich gegen den Umzug nach Berlin aussprachen. Offensichtlich dachten sie, es werde schon weitergehen, irgendwie halt, so wie die krisengeschüttelte Firma irgendwie immer weiter gegangen war, obwohl mit dem Weggang von Sven Regener, Karen Duve und Walter Moers dem Verlag nach und nach die Erfolgsschriftsteller verloren gingen.

Wie schlecht es um Eichborn stand, erfuhr man im April, als bekannt wurde, dass 35 der 48 Mitarbeiter gekündigt worden waren; manche, wie die Eichborn-Sprecherin Uta Niederstraßer, die, kurios genug, zum Berlin Verlag wechselte, gingen von sich aus. Eichborn werde trotzdem nach Berlin umziehen, verkündete Aufbau-Eigentümer Matthias Koch mit gewissem Trotz im April. Schließlich hat er einen klotzigen Bau am Moritzplatz errichten lassen, der neue Sitz des Verlages, der Aufbruch signalisieren sollte.

Beim Aufbau Verlag finden die Verantwortlichen die Entwicklung bedauerlich, sie hatten sich durch den Zusammenschluss mit Eichborn Kostenvorteile versprochen. Buchhaltung, Marketing, EDV, all diese Funktion hätte man nicht doppelt in zwei Verlagen besetzen müssen. Nun versucht Aufbau zu retten, was zu retten ist, und hat angekündigt, dass sie den Vertreib für Eichborn im Herbst übernehmen würden, falls es dann Eichborn noch geben sollte. Im Januar hatten die beiden Verlage eine Vertriebspartnerschaft verkündet. Die Ansprüche der Autoren werden bei einer Insolvenz im Übrigen vorrangig behandelt, auch können sie ihre Verträge in der Regel kurzfristig kündigen, was für einen notleidenden Verlag natürlich keine gute Nachricht ist. Heute Abend sollte eigentlich ein Fest im Aufbau Verlag stattfinden, der Einzug des Verlages sollte gefeiert werden. Doch die Party wurde vergangene Woche abgesagt und auf September verschoben, wenn, "feuerpolizeiliche Auflagen" erfüllt werden. Manchmal hat man halt einen Lauf.