Peter Schamoni gestorben

Ein Wegbereiter des Neuen Deutschen Films

Am 28. Februar 1962 gaben 26 Filmemacher bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen eine Erklärung ab, die als "Oberhausener Manifest" bekannt wurde und sich radikal von der herkömmlichen Filmindustrie abwandte. "Papas Kino ist tot", erklärten die Kurz- und Dokumentarfilmer feierlich, "wir glauben an den neuen".

Dieser neue Film sollte sich nicht nur inhaltlich radikal vom Unterhaltungskino der Adenauer-Ära unterscheiden, er propagierte, in Abkehr vom reinen Profitdenken und in Anlehnung an Frankreichs Nouvelle Vague und das britische Free Cinema, die Idee des Autorenfilms, in dem der Regisseur seine eigenen Projekte realisiert. Viele sahen in diesem Akt die Geburtsstunde des Jungen Deutschen Films. Zu den Unterzeichnern gehörten unter anderen Alexander Kluge, Edgar Reitz, Hans-Jürgen Pohland. Und Peter Schamoni.

Dieser, er war 27, als er das Manifest unterzeichnete, setzte drei Jahre später diese Richtlinien mit seinem Langfilmdebüt um: "Schonzeit für Füchse" handelte von jungen, gelangweilten Großbürgern, die ihrem Milieu entkommen wollen. Eine ernüchternde Bestandsaufnahme, die die innere Leere einer ganzen Generation aufzeigte, den entscheidenden Schritt aber, den Bruch mit den Vätern, noch nicht wagte. "Schonzeit" war dennoch, mit drei Bundesfilmpreisen und einem Silbernen Bären, ein erster Achtungserfolg für die Jungfilmer. In der Folge verlegte sich Schamoni indes mehr auf die Filmproduktion. So produzierte er viele Werke seines Bruders Ulrich (1939-1988), aber auch Kay Spils Schwabing-Komödie "Zur Sache, Schätzchen" mit Uschi Glas, die der erste Kassenhit des "jungen" Films und eine Ikone der 68er-Bewegung wurde.

Die Tragik der "Oberhausener" bestand darin, dass sie zwar Wegbereiter waren, auch was die Durchsetzung einer staatlichen Filmförderung betraf, aber bald überholt wurden von den Auteurs des Neuen Deutschen Films, den Fassbinders, Wenders', Herzogs und Schlöndorffs. Schamonis Arbeiten dagegen wurden immer konventioneller, auch betulicher, was sich etwa an "Frühlingssinfonie", einen Film über die Beziehung von Clara und Robert Schumann, abzeichnete. Am meisten überzeugten seine Dokumentationen aus dem Kunstbereich: über Caspar David Friedrich und Max Ernst, über Niki de St. Phalle und über Hundertwasser (für die er eine Oscar-Nominierung erhielt).

Schamoni wurde in eine regelrechte Filmdynastie hineingeboren. Sein Vater war der Filmwissenschaftler Victor Schamoni, seine Brüder Thomas, Victor und Ulrich waren ebenfalls im Filmbereich tätig. Peter, der Älteste, in Berlin geboren, zog zum Studium nach München. Dort ist er am Dienstag mit 77 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben.