Interview

"Krömer kriegt man nur mit Chaosfaktor"

Wer zu Kurt Krömers TV-Show geladen war, der musste auf alles gefasst sein. Wenn der Comedian selbst interviewt wird, versteht er indes - wie so viele seiner Zunft - keinen Spaß. Der Termin wird mehrfach verschoben, das Gespräch muss autorisiert werden und Fotos: bitte nicht. Oder ist das alles nur Nervosität?

Immerhin kommt am Donnerstag "Eine Insel namens Udo" ins Kino, der erste Film, in dem Kurt Krömer die Hauptrolle spielt. Und einmal nicht Kurt Krömer ist. Peter Zander hat mit ihm gesprochen.

Berliner Morgenpost: Sie haben schon ab und an Gastauftritte im Film absolviert. Aber der "Udo" ist jetzt Ihr eigentliches Debüt. Wie fühlt sich Kino an?

Kurt Krömer: Kino ist erstens viel aufwendiger und zweitens präziser als Fernsehen. Du hopst da zehn, zwölf Stunden lang nur von Markierung zu Markierung und musst exakt da landen, wo der Kameramann ausgeleuchtet hat. Da stehst du manchmal so verbogen, dass es fast weh tut. Das ist etwas ganz anderes, als ich es im Fernsehen gemacht habe. Da mussten sich die Kameramänner nach mir richten.

Berliner Morgenpost: Das ist dann also der Albtraum für Sie, der es gewohnt ist, zu improvisieren? Sie basteln sich ja sonst auch Ihre eigenen Texte.

Kurt Krömer: Nee. Improvisation kann ich ja in meinem Live-Programm voll ausleben. Es ist auch mal ganz schön, sich strikt an einen Text halten zu müssen. Ein Drehbuch ist tote Materie, Buchstaben auf weißem Papier. Die zum Leben zu erwecken, macht großen Spaß. Man muss sich ausnahmsweise mal keine Gedanken machen, was man sagt. Und das ist inhaltlich und von der Herangehensweise etwas komplett anderes als alles, was ich sonst mache.

Berliner Morgenpost: Und könnte das jetzt öfter passieren? Sind Sie auf den Kinogeschmack gekommen?

Kurt Krömer: Ich werde mich nicht aufdrängen. Jetzt warten wir mal die Premiere ab und gucken, ob danach noch was reinflattert. Ich bin in erster Linie nicht Schauspieler, eher ein komischer Darsteller. Wenn ein Nerd oder verrückter Professor gesucht wird, bin ich gern zur Stelle. Krömer kriegt man nur mit dem nötigen Chaosfaktor.

Berliner Morgenpost: Die Leiterin einer Laientheatertruppe hat Ihnen zu Beginn Ihrer Karriere gesagt, sie sehe Sie eher nicht im dramatischen Fach.

Kurt Krömer: Noch schlimmer. Sie sagte: Ich sehe dich im komischen Fach.

Berliner Morgenpost: Das ist jetzt aber kein Fernziel, ihr doch zu beweisen, dass Sie auch anders könnten?

Kurt Krömer: Ich habe ein Date mit Katharina Thalbach, dass wir in 13 Jahren am Maxim Gorki "Hauptmann von Köpenick" machen. Das haben wir vor fünf Jahren ausgeheckt. Keine Ahnung, ob sie das noch auf der Pfanne hat; aber die Uhr tickt.

Berliner Morgenpost: Wer als Gast zu Ihnen in die Show kam, musste mit allem rechnen. Im Film sind Sie jetzt selbst schutzlos ausgeliefert. Sie haben Ihre Brille nicht auf, sind ganz nackt, in einer Szene sogar sprichwörtlich.

Kurt Krömer: Ich fühlte mich auch nackt, als ich etwas anhatte. Es war uns wichtig alles wegzulassen, was Kurt Krömer ausmacht hat: den Scheitel, die Brille, die Klamotten. Bis runter zu den Schuhen war ich ein komplett Anderer. Ich hatte nichts, woran ich mich festhalten konnte. Selbst der Berliner Dialekt wurde gedrosselt.

Berliner Morgenpost: Und der Film spielt in Köln und nicht in Neukölln. Ein Versuch, Krömer international oder doch überregional zu machen?

Kurt Krömer: Nein. Das hat mit Fördermitteln zu tun. Die kamen aus Nordrhein-Westfalen, also muss da auch gedreht werden. Aber für ein Debüt war es vielleicht genau richtig: eine andere Figur in einer anderen Stadt.

Berliner Morgenpost: Ihr Udo leidet an Schwerstsichtbarkeit, er wird von der Umwelt nicht wahrgenommen. Ist das etwas, wonach man sich als Prominenter sehnt: nicht erkannt zu werden?

Kurt Krömer: Eigentlich nicht. Ich genieße das sehr. Berlin geht mit seinen Promis ganz locker um. Die Leute auf der Straße quatschen einen an wie einen Nachbarn. Das ist wohl der Vorteil eines Komikers. Als Politiker würde ich anders angehauen werden.

Berliner Morgenpost: Es gab aber eine Zeit, die Sie als Hungerphase bezeichnet haben, da sind Sie tatsächlich nicht so wahrgenommen worden.

Kurt Krömer: Das stimmt. Wenn ich an meine ersten Auftritte in der Scheinbar denke, da kamen teilweise nur drei Zuschauer. Es hat gut zehn Jahre gedauert, bis der eine oder andere Taler geflossen ist. Trotzdem war das eine wichtige Zeit für mich.

Berliner Morgenpost: Ist Kurt Krömer nun eigentlich eine Kunstfigur - oder sind Sie das wirklich selbst?

Kurt Krömer: Man muss gucken, dass man nicht irgendwann unfreiwillig komisch wird. Dass man sagt, der merkt gar nicht, dass das lustig ist. Nein, Kurt Krömer ist schon dicht an mir dran. Kunstfigur ist eher ein Horst Schlämmer, wo man weiß, da steckt der Hape Kerkeling drunter, der stopft sich den Bauch aus und nach dem Auftritt wird er wieder zu einer privaten Person. Bei mir sind die Übergänge fließender.

Berliner Morgenpost: Der Udo ist also kein Versuch, mal ganz vom Krömer wegzukommen?

Kurt Krömer: Doch, schon. "Eine Insel namens Udo" ist kein Kurt-Krömer-Film. Solche Überlegungen gab's ja auch schon.

Berliner Morgenpost: Und suchen Sie nach Projekten, öfter aus der Rolle auszubrechen?

Kurt Krömer: Ich suche gar nichts. Komischerweise gibt es jetzt viele Angebote, obwohl ich mich nicht feilbiete. Vom Fernsehen habe ich mich ja gerade getrennt. Wer Kurt Krömer pur erleben möchte, der sollte sich die Tournee im Herbst anschauen.

Berliner Morgenpost: Mit dem Fernsehen ist wirklich Schluss? Es hieß ja, nur die Show sei zu Ende und Sie würden jetzt nach neuen Formaten suchen?

Kurt Krömer: Ich habe Frau Reim, der Intendantin des RBB, damals versprochen, dass wir die Sendung fünf Jahre machen. Die sind nun vorbei. Und ich wollte mich einfach zu einer Zeit von dem Format trennen, in der es den Zuschauern noch Spaß macht. Ich hatte Angst, dass in den nächsten Jahren die Luft raus ist und das Publikum mit den Augen rollt. Am 28. April war die letzte Sendung. Das ist noch nicht lange genug her, als dass ich's vermissen würde.

Berliner Morgenpost: Hat zu der Entscheidung auch beigetragen, was vergangenen Dezember passiert ist?

Kurt Krömer: Nein, die Entscheidung habe ich schon getroffen, als ich letztes Jahr die Samstagabendshow gemacht habe. Quotentechnisch sind wir damit voll auf die Schnauze gefallen. Wiederholungen von alten Krömer-Shows hatten die dreifache Quote.

Berliner Morgenpost: Verraten Sie uns dennoch, was im Dezember passiert ist? Sie haben Ihre Tournee unterbrochen, die Medien sprachen von einem Burnout, was Sie aber dementieren ließen.

Kurt Krömer: Darüber spreche ich nicht. Da wissen Ihre Kollegen offensichtlich mehr als icke.