Theater

Das Gorki-Theater bringt den ganzen Kleist auf die Bühne

Fallada, Fontane und Kleist zählen zu den Autoren, die die kommende Spielzeit des Maxim Gorki Theaters prägen. Eröffnet aber wird die Saison am 31. August von Rainald Grebe: Der Kabarettist und Liedermacher leistet mit seinem Abend im Gorki einen Beitrag zur Landtagswahl in Berlin.

"Grebe lässt Klaus Wowereit und Renate Künast", die nach Umfragen beiden aussichtsreichsten Kandidaten um den Posten des Regierenden, "im Theater aufeinandertreffen", kündigte Intendant Armin Petras gestern auf der Spielplan-Pressekonferenz an. Natürlich nicht die echten. Schauspieler übernehmen den Politikerpart, schließlich soll der Abend kurzweilig und unterhaltsam werden.

Und er passt gut zu einer Spielzeit, die sich schwerpunktmäßig mit Berlin beschäftigt. Den Blick auf die Vergangenheit, die Opfer und Täter des 20. Jahrhunderts, werfen Hausherr und Hausregisseurin in ihren Auftaktinszenierungen: Jorinde Dröse bringt am 3. September Hans Falladas wiederentdecktes Meisterwerk "Jeder stirbt für sich allein" auf die Bühne. Falladas Roman über den Widerstand kleiner Leute gegen das NS-Regime war im Februar fast 60 Jahre nach seinem Erscheinen erstmals in ungekürzter Originalfassung erschienen und steht seither auf den Bestsellerlisten. Armin Petras beschäftigt sich mit der anderen Seite des Nationalsozialismus: Er inszeniert den 1400-Seiten-Täter-Romans "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell.

Ein Bühnenbild für zwei Stücke

Anlässlich des Kleistfestivals rund um den 200. Todestag des Dichters im November zeigt das Maxim Gorki Theater sämtliche Dramen. Neu inszeniert werden "Das Käthchen von Heilbronn" von Jan Bosse und "Die Familie Schroffenstein" von Antú Romero Nunes. Die Regisseure arbeiten übrigens im selben Bühnenbild, das Stéphane Laimé gestalten wird.

Mit Fontanes Roman "Effi Briest" beschäftigt sich Jorinde Dröse im Januar, gewissermaßen als Ergänzung zu "Madame Bovary", die bereits in dieser Sasion herauskam. Im Februar kommt Falladas "Der Trinker" auf die Bühne. Regie führt Sebastian Hartmann - der Intendant des Leipziger Centraltheaters und frühere Volksbühnen-Regisseur kehrt damit nach Jahren der Abstinenz nach Berlin zurück.

Weitere Premieren sind geplant, die Finanzierung sei aber noch nicht gesichert, sagte Petras. Nach Angaben des geschäftsführenden Direktors Klaus Dörr muss das Theater seit fünf Jahren mit einem stagnierenden Zuschuss von 8,3 Millionen Euro auskommen - zum Amtsantritt der Beiden wurde der Etat um 400 000 Euro abgesenkt. Eine Erhöhung hätte das Haus verdient: Das Programm ist spannend, die Auslastung liegt seit Jahren zwischen 78 und 80 Prozent und die Eigenfinanzierungsquote konnte laut Dörr von 12 auf 18 Prozent gesteigert werden. Erfolg dürfte auch in Berlin ruhig einmal belohnt werden.