"Winterreise"

Elfriede Jelinek ist erneut Dramatikerin des Jahres

So oft erhielt noch niemand den Mülheimer Preis: Zum vierten Mal ist Elfriede Jelinek zur Dramatikerin des Jahres gewählt worden. Die fünfköpfige Jury der Mülheimer Theatertage entschied sich in der Nacht zum Mittwoch mit drei der fünf Stimmen für die österreichische Nobelpreisträgerin.

Ausgezeichnet wird Jelinek für ihre Collage "Winterreise", die sich gegen sechs Stücke anderer Dramatiker durchsetzte. Der Publikumspreis ging an Nurkan Erpulat und Jens Hillje für ihre Satire "Verrücktes Blut", einer Koproduktion des Berliner Ballhauses Naunynstraße und der Ruhrtrinnale. Insgesamt kamen für den Dramatikerpreis 119 Stücke infrage, die in der Spielzeit 2010/2011 auf deutschsprachigen Bühnen uraufgeführt wurden.

Mit ihrer "Winterreise" lehnt sich Jelinek an Franz Schuberts und Wilhelm Müllers gleichnamigen Liederzyklus an. Ihre Collage beschreibt verschiedene Aspekte der Gesellschaft - von der herzlosen Reaktion der Öffentlichkeit auf die Befreiung von Natascha Kampusch über den Finanzskandal um die Hypo Alpe Adria und die Bayerische Landesbank bis zur Verelendung alter Menschen, die grausam im Stich gelassen werden. Nach Jelinek fand Fritz Kater viel Anerkennung für sein Stück "we are blood". Fritz Kater ist das Pseudonym von Armin Petras, dem Intendanten des Berliner Maxim Gorki Theaters.