Salzburg

Thielemann übernimmt die Osterfestspiele

Noch ist es nicht offiziell, eine Pressekonferenz erst für Mittwoch angesetzt, da heißen die Medien in Österreich die Staatskapelle Dresden schon als künftiges Orchester der Salzburger Osterfestspiele willkommen.

Die Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann an die Salzach zu holen, sei "die beste aller Lösungen" und verheiße "Klangmagie für Salzburg". Kommen die "Dresdner", so der Tenor, hätte das Osterfestival die rüde Absage des bisherigen Stammorchesters, der Berliner Philharmoniker, in einen veritablen Coup verwandelt.

Bei so viel Vorschuss-Lorbeeren fällt der sonst so diskreten Intendanz die Verschwiegenheit schwer. "Es müsste viel passieren, wenn die Dinge, die im Raum stehen, doch nicht kommen", heißt es nur schwach verklausuliert aus dem Festspielbezirk. Gleichzeitig zeigt man sich vorsichtig und kann sich einen Seitenhieb auf die Berliner Philharmoniker nicht verkneifen: "Wir haben gelernt, dass sich die Dinge von einer Sekunde auf die andere ändern können." Schließlich hatten die "Berliner", von Festivalgründer Herbert von Karajan seit der ersten Saison 1967 als Stammorchester installiert, Mitte Mai die Salzburger Intendanz vor vollendete Tatsachen gestellt: Das Orchester unter Sir Simon Rattle werde Salzburg den Rücken kehren und bereits nach der Saison 2012 nach Baden-Baden weiterziehen. Intendant Peter Alward und seinem Team blieb nichts übrig, als die Trennung öffentlich zu machen. Und in höchster Eile Alwards gut geknüpftes Netzwerk in der Musikbranche zu aktivieren.

Jubel für den neuen Mann

Die "Dresdner" als versiertes Opernorchester und gern gesehener Gast in Salzburg, dazu die guten Verbindungen zum Intendanten - da konzentrierten sich die Spekulationen rasch auf die von vielen gewünschte Lösung. Weitere mögliche Kandidaten wie die Wiener Philharmoniker oder das Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst fanden zuletzt keine Erwähnung mehr.

"Also bleiben wir dabei", beschlossen die "Salzburger Nachrichten" nun kurzerhand: "Wenn die Dresdener Einzug halten an der Salzach, ist Peter Alward geradezu ein Geniestreich gelungen." Die Wiener "Presse" bejubelt ohne Angst vor Pathos bereits Thielemann als den neuen Mann zu Ostern in Salzburg: "Ein großer Interpret ist an einem Gipfel angelangt, eigensinnig, (...) bewundert aber vom Publikum, das den Traum weiterträumen möchte." Von einer "Nachdenkpause" in Salzburg kann also keine Rede sein. Die hatte sich die Landespolitik gewünscht. Denn das hochpreisige Festival, das durch eine komplizierte Struktur von Förderern, Freundeskreis und Sponsoren getragen wird, erhält zwar vergleichsweise wenig öffentliche Förderung. Doch gerade wegen seiner elitären Anmutung stand es in Salzburg immer wieder in der Kritik.

Die konservative Wiener "Presse" sieht das Festival denn auch vor einem notwendigen Neustart. Denn nach der Gründerzeit mit Karajan am Pult der "Berliner" seien in Salzburg ohnehin nur "Behelfslösungen" zu hören gewesen: die Musiker von der Spree hätten in der Festspielstadt bloß unter Beweis gestellt, dass sie als Opernorchester nicht taugten.