Interview

"Wirtschaftsenator Wolf müsste zurücktreten"

Seit einer Woche hat Berlin keine Kunstmesse mehr. Hintergrund ist das Scheitern der Fusion zwischen dem Art Forum und der ABC (art berlin contemporary). Der Landesverband Berliner Galerien e.V. sieht in der Absage "die internationale Reputation der Kunstmetropole" geschädigt und moniert, dass sich "die Politik von separatistischen Platzhirschen", gemeint sind führende Berliner Galerien, hat vorführen lassen. Ähnlich bewertet es Herbert Mondry, Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler. Gabriela Walde sprach mit ihm.

Berliner Morgenpost: Sie warnen vor einem "Luxussektor" von Galerien, die von der Ausgrenzung profitieren wollen, also dem Aus des Art Forums.

Herbert Mondry: Es ist das Bestreben einiger Galerien wie Neu, Hetzler, Klosterfelde, Schipper und noch einigen anderen, - sie halten sich für sehr wichtig und wertvoll - die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Sammler auf sich zu konzentrieren. Diese Galerien wollen mit dem breiteren Mittelfeld nicht unbedingt in einen Topf geworfen werden. Das hat elitäre Tendenzen, damit geht ein Stück Demokratie in der Stadt verloren. Es ist ein Gesetz des Kunstmarktes, dass, wenn sich alles auf eine reduzierte Anzahl von Künstlern richtet, die Preise steigen. Das muss man nicht unbedingt verteufeln, es kann aber nicht sein, dass einige wenige Galeristen in Berlin entscheiden, wie hier die Kunst läuft. Da ist die Politik gefragt, da muss sie eingreifen. Denn die Messe ist ein landeseigenes Unternehmen - und es gibt ein Gemeinschaftsinteresse Berlins, ein Berliner Interesse.

Berliner Morgenpost: Kulturstaatssekretär André Schmitz hat die Informationspolitik der Messeleitung beklagt.

Herbert Mondry: Der Kultursenator wurde vom Aus des Art Forums überrascht. Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Da müsste Wirtschaftssenator Harald Wolf, der für die Messegesellschaft zuständig ist, eigentlich zurücktreten, wenn er sich einen solchen Faux Pas leistet. Das Art Forum war schließlich keine Eintagsfliege. Vielleicht ist es auch typisch für Berlin, dass die Kunst gar nicht richtig im Fokus der Interessen liegt. Und aus dieser Interesselosigkeit heraus entwickelten sich die Dinge so. In der Kulturpolitik muss sich etwas ändern. Es müssen Konzepte her, wie es künftig weitergeht.

Berliner Morgenpost: Aber braucht Berlin wirklich ein Art Forum? Ist das Format noch zeitgemäß?

Herbert Mondry: Die Messe ist für Berlin und für die bildende Kunst in Berlin schon enorm wichtig gewesen. Die Messe holt Internationalität in die Stadt. Und die Vielfalt, die über ein Messeformat präsentiert wird, ist wichtig. Unabhängig, ob das Art Forum hundertprozentig gut gelaufen ist. Verbesserungswürdig ist es sicherlich. Aber ganz darauf verzichten, das können wir nicht. Für das Art Forum gibt es keinen Ersatz.

Berliner Morgenpost: Wie könnte eine Lösung aussehen?

Herbert Mondry: Es wäre gut, einen großen Runden Tisch einzuberufen, nicht nur mit den Streithähnen. Eine Art Ideenwerkstatt mit einer breiten Beratung und einer vernünftigeren Diskussion. Wer weiß, vielleicht kommt man auf ein neues Messeformat.