Theater

Annemie Vanackere übernimmt die Leitung des HAU

Man kann Internationalität ganz einfach zeigen: mit einem Lebenslauf auf Englisch. Das ist bei der Präsentation einer neuen Intendanz in Berlin bislang eher unüblich. Insofern war die Vorstellung von Annemie Vanackere, der künftigen Chefin des Theaterkombinats Hebbel am Ufer (HAU), gestern durchaus eine Premiere.

Man sollte davon ausgehen, dass es ein Statement der Senatskulturverwaltung war - und nicht daran lag, dass diese Personalentscheidung so kurzfristig gefällt wurde, dass die Zeit zum Übersetzen zu knapp war.

Bei der Pressekonferenz wird allerdings Deutsch gesprochen. Ganz charmant erwähnt Annemie Vanackere, dass sie im Juli einen Sprachkurs in Berlin absolvieren wird. Ganz charmant könnte man entgegnen, dass das nicht notwendig wäre, denn sie beherrscht die hiesige Sprache schon ganz gut. Und für ihren neuen Job, ihr Fünf-Jahres-Vertrag beginnt am 1. September 2012, dürfte es für die 1966 in der Nähe der französischen Grenze im belgischen Courtrai Geborene hilfreich sein, dass sie auch englische und französische Sprachkenntnisse mitbringt. Denn das HAU ist wie kein zweites Theater in Berlin international ausgerichtet.

Ein wenig erinnert es an eine Talkshow, wie die 45-Jährige auf einem Sofa im Foyer des HAU 2 Platz nimmt. Neben ihr Kulturstaatssekretär André Schmitz, der ganz froh darüber sein dürfte, wieder eine Personalie geklärt zu haben. Aktuell ist nur noch die Nachfolge für die 2012 zu den Wiener Festwochen wechselnde Shermin Langhoff am Ballhaus Naunynstraße offen. Auf dem zweiten Sofa sitzt HAU-Chef Matthias Lilienthal. Man kann davon ausgehen, dass Lilienthal bei der Suche nach einem Nachfolger stark involviert war. Er und Schmitz spielen sich locker die Bälle zu - und lassen auch die Neue zu Wort kommen.

"Ich werde keine Revolution machen", betont Annemie Vanackere auf die Frage nach ihren programmatischen Vorstellungen: "Es wird Akzentverschiebungen geben, aber es ist auch schon vieles da, was mich interessiert." Das klingt nach Kontinuität. Mit einigen der HAU-Künstler wie Rimini Protokoll, Meg Stuart oder Hans-Werner Kroesinger hat sie auch schon in Rotterdam zusammengearbeitet. Dort lebt Annemie Vanackere, die Philosophie studiert hat, seit 1995. "Höchste Zeit für einen Wechsel", wie die künstlerische Leiterin des städtischen Theaters Rotterdamse Schouwburg nun sagt. Außerdem hat sie in der niederländischen Hafenstadt das Programm für die Kulturhauptstadt Europas 2001 vorbereitet und ist dort auch für das Internationale Theater Festival Rotterdam verantwortlich, das Mitte September mit einer Rene-Pollesch-Inszenierung aus Berlin eröffnet.

Das HAU ging 2003 aus der der Fusion von Hebbel-Theater, Theater am Halleschen Ufer und Theater am Ufer hervor. Dass es kein festes Ensemble hat, ist Annemie Vanackere ein vertrauter Zustand, denn das ist in den Niederlanden an vielen Bühnen längst normal. Ein Jahr Vorbereitungszeit hat sie sich gegeben. Und die beginnt mit dem Deutschkurs. Sie will den sommerlichen Berlin-Aufenthalt auch dazu nutzen, die freie Theaterszene zu studieren.