Sanierung

Staatsoper: Das Leben im Exil wird teurer als geplant

Die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden verzögert sich, der Eröffnungstermin wird um ein Jahr auf den 3. Oktober 2014 verschoben.

Das ist seit kurzem offiziell bestätigt; entsprechende Gerüchte kursierten schon vorher. Dass trotz der längeren Bauzeit der Kostenrahmen von 239 Millionen Euro eingehalten werde, betont Senatsbaustadträtin Regula Lüscher bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Allerdings bezieht sich diese Aussage nur auf die Baukosten, wie Kulturstaatssekretär André Schmitz gestern im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses sagte. Auf eine entsprechende Frage von Alice Ströver, der kulturpolitischen Sprecherin der Bündnisgrünen, räumte Schmitz ein, dass die Staatsoper in ihrem Ausweichquartier Schiller-Theater "Einnahmeverluste haben wird". Schließlich verfügt das Theater nur über knapp 1000 Plätze und damit rund 370 weniger als das Opernhaus Unter den Linden - dort kam die Staatsoper in den vergangenen Jahren auf eine Auslastung um die 90 Prozent. Ursprünglich hatte die Staatsoper mit drei Spielzeiten im Ausweichquartier geplant - und laut Schmitz auch entsprechende Rücklagen gebildet, um die Mindereinnahmen bei den Kartenverkäufen kompensieren zu können. Jetzt aber verlängert sich das Exil um eine Spielzeit. Ob die Staatsoper die dadurch entstehenden Einnahmeverluste selbst tragen muss oder die Senatsverwaltung dafür aufkommt, ist laut Schmitz "noch offen".

Damit wird sich die künftige Regierung - im September sind Neuwahlen - beschäftigen. Ebenso wie mit der Kunsthalle. Die Errichtung war ein zentrales Anliegen von Klaus Wowereit (SPD) in dieser Legislaturperiode - aber nicht nur die Linke, der Koalitionspartner, auch die eigene Partei ließ den Regierenden Bürgermeister in diesem Punkt im Regen stehen. Aus den Bauplänen am Humboldthafen wurde auch mangels eines Investors nichts, jetzt ruht gewissermaßen die letzte Hoffnung auf "based in Berlin". Die ursprünglich von Wowereit als "Leistungsschau" titulierte Ausstellung von in Berlin entstandener Gegenwartskunst wird in der kommenden Woche im Atelierhaus im Monbijoupark eröffnet und soll einen Stimmungsumschwung pro Kunsthalle bringen, hofft Schmitz. Wowereit nahm an der Ausschusssitzung nicht teil.