Kunstmesse

Streitereien, Machtspiele - keine Kunst

Das Art Forum ist tot - die Hauptstadt der Kunstproduktion steht nun ohne Kunstmesse da. "Das Art Forum Berlin findet zum geplanten Zeitpunkt vom 30. September bis 2. Oktober nicht statt", so verkündete die Messeleitung ihren Rückzug am Samstagnachmittag.

Diese Absage kam für viele überraschend. Galeristen, die sich für das diesjährige Art Forum beworben hatten, bekamen bereits am Vormittag eine Mail, worin mitgeteilt wurde, dass die Anmeldegebühr zurückerstattet wird.

Dass sich das 1996 gegründete Art Forum in einer Krise befand, war schon länger nicht zu übersehen. Als Co-Direktor Peter Vetsch sich im April aus der Leitung verabschiedete, deuteten sich größere Veränderungen an. Der Umschwung kam, als letzte Woche bekannt wurde, das Art Forum wolle mit der einst als Gegenveranstaltung frustrierter Galeristen initiierten ABC (Art Berlin Contemporary) fusionieren. Beide Partner wollten sich zu "gleichen Teilen in die Veranstaltung einbringen". Im Gespräch war eine gemeinsame Location in der Mitte der Stadt, das alte Postfuhramt am Gleisdreieck, und die Vorverlegung des Termins zwischen dem 7. und 11. September statt 30. September. Dem Termin der konkurrierenden Frieze Art in London wäre man damit ausgewichen. Bis Ende der Woche am Freitag schien alles zu laufen, es soll durchaus konstruktive Ansätze gegeben haben - doch dann kam das Aus.

Unterschiedliche Interessen

"Abweichende Vorstellungen" werden als Grund des Scheiterns genannt. Wer zwischen den Zeilen der Mitteilung liest, weiß, dass hier sowohl Interessen wie inhaltliche Ansätze beider Parteien auseinander gedriftet sein müssen. Dort die Messe mit traditionellem Kojen-Format und ihrem strukturellen Know-how, da die ABC mit einem kuratierten Ausstellungsprogramm, das sich bislang aus den finanziellen Ressourcen der Galerien speiste. Ein reiner Geldgeber wollte die Messe wohl nicht sein. Sie beklagt den Mangel einer "vorbehaltlosen Teilnahme" von einigen Gesellschaftern der ABC, zumal fehle ihr ohne Organisation die Geschäftsgrundlage, die "über reines Sponsoring hinausgeht". Der ABC, die sich als Plattform für Innovation sieht, mangelte es an "Freigeist, Spontaneität und Flexibilität, die man braucht, um alternative Formate zu entwickeln", sagt ABC-Mitbegründer Martin Klosterfelde. Wie dem auch sei, Streitereien, Machtspiele und Animositäten sind nie gut für den Standort. Letztlich profitieren davon konkurrierende Metropolen wie Paris oder London. Zumal sich Berlin mit seinem Sammler- und Käuferpotential noch längst nicht mit solchen Metropolen messen kann, auch wenn sich die Situation verbessert hat.

Nach der Entlassung der langjährigen Messe-Chefin Sabrina van der Ley setzte das Art Forum vor zwei Jahren auf das Baseler-Duo Eva-Maria Häusler und Peter Vetsch und hoffte auf neuen Schwung. Das erfolgreiche Messekonzept der Art Basel als Import für Berlin? Die Rechnung ging nicht auf. Der Glanz blieb aus, die großen Umsätze auch. Vielleicht haben die beiden die besondere Dynamik dieser Stadt unterschätzt, da wären sie nicht die ersten. In Basel wird die Messe als Attraktion gehegt und gepflegt, da waren sie Marktführer. Sie hätten es versäumt, so die Meinung vieler Berliner Galeristen, sich stärker an die Stadt anzubinden. Auch schlug ihr Konzept nicht so durch wie erhofft. Die Messe öffnete ihr Programm für die Kunst der 60er Jahre und gab gleichzeitig den ganz jungen Galerien, die nicht älter als fünf Jahre waren, einen besonderen Auftritt. Zuletzt wurde das Art Forum immer kleiner, im vergangenen Jahr nahmen noch 110 Galerien teil. In diesem Jahr haben sich offenbar gar nicht erst genügend Galerien mit überzeugendem Ausstellungsprogramm beworben. Wäre das der Fall gewesen, hätte die Messe die Veranstaltung sicher nicht abgesagt.

Um den richtigen Messe-Termin im September gab es immer schon Ärger. Man habe es versäumt, so hört man häufiger, sich nach dem internationalen Kalender zu richten, hohe Jüdische Feiertage sind da ebenso zu berücksichtigen wie die Messen Frieze Art in London oder Fiac in Paris. Sonst bleiben die Sammler aus. Dass die Anfang September dennoch nach Berlin kommen, liegt nun an der ABC, die als Gewinner aus der gescheiterten Fusion hervorgeht. Sie muss das Vakuum jetzt zu füllen wissen. "Es ist wichtig, dass wir einen Top-Herbst hinlegen. Die Verantwortung haben wir gegenüber Berlin", meint Martin Klosterfelde. Klar ist, dass sich die Satellitenmessen Preview und der Berliner Kunstsalon an den Termin 7. September andocken.

ABC muss Vakuum im Herbst füllen

Das bisherige Konzept soll bestehen bleiben, man möchte sich allerdings vergrößern. In diesem Jahr will ABC das Thema Malerei ("about painting") in den Fokus nehmen. Hier wird es aber nicht um klassische Positionen auf Leinwand gehen, sondern um das Prinzip des Malerischen überhaupt. Rita Kersting konnte als Kuratorin gewonnen werden.

Braucht Berlin das Art Forum? Darüber werden sich die nächsten Tage Galeristen, Künstler, Sammler die Köpfe heiß reden. Doch nächste Woche zieht der Tross Richtung Venedig zur Biennale und übernächste Woche heißt es "Based in Berlin" - in der Hauptstadt wird die junge Sommerschau im Monbijoupark eröffnet. Die Kunst stirbt nie.

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