Konzert

Pianist David Fray verweigert sich der Virtuosität

Eigentlich stand Mozart auf dem Programm, aber davon war nicht allzu viel zu hören. David Fray, dessen Bach-Interpretationen vor nicht allzu langer Zeit über den Klee gelobt wurden, versuchte sich im Konzerthaus an Mozarts Es-dur-Konzert KV 271, früher als "Jeunehomme"-Konzert bekannt.

Es war Frays 30. Geburtstag; vielleicht hatte er ja reingefeiert oder schon die nächste Party im Kopf - was es mit Mozart auf sich haben könnte, schien ihn auf jeden Fall nicht besonders zu beschäftigen. Er pflegt hier einen stillen, akzentlosen, fast schon betulichen Ton. Wenn man weiß, welches Feuerwerk Mozart mit seinen Klavierwerken, sogar mit den Sonaten, abbrennen wollte, dann muss man Frays Auftritt schlichtweg als Virtuositätsverweigerung einstufen. Dafür ist der Franzose in gewisser Weise ja auch bekannt.

Schon der Stuhl, auf dem er sich unters Instrument quetscht, lässt bestenfalls kauziges Konzertieren erwarten. Natürlich ist David Fray ein ausgezeichneter Pianist und gegen Eigenwilligkeit zunächst auch nichts einzuwenden. Nur sind auf die Dauer seine Marotten schwer erträglich, vor allem das häufige Ausweichen ins Pianissimo, das klanglich sehr schön sein mag, aber an der Praxis des 18. Jahrhunderts vollkommen vorbeigeht - Mozart konnte mit dem damals üblichen Cembalo oder Hammerklavier überhaupt nicht in solche dynamischen Randzonen vordringen. Gegen den Strich gebürstet? Ach nein, das Es-dur-Konzert ins Biedermeier zu versetzen, ist wirklich keine interpretatorische Großtat.

Zum Glück war an diesem Abend noch die Amsterdam Sinfonietta auf der Bühne. Von der schottischen Konzertmeisterin Candida Thompson geleitet, erfreute dieses Ensemble mit einer eleganten, geschliffenen, höchst lebendigen Mozart-Symphonie KV 201 und zwei Streicher-Bearbeitungen von Werken Bergs und Mahlers. Nun ist das Repertoire für Streichorchester im Grunde üppig genug; Bergs Klaviersonate op. 1 und Mahlers früher Versuch mit einem Klavierquartett zeigten hier eine Tiefendimension, die in den Urfassungen nicht so zum Ausdruck kommt. Weniger Originalität kann manchmal mehr bedeuten.