Intendant

Überraschender Abgang: Udo Reiter verlässt vorzeitig den MDR

MDR-Chef Udo Reiter will Schluss machen. "Nach gründlichem Nachdenken", so der dienstälteste Intendant der ARD, "komme ich zu dem Ergebnis, dass ich von der Möglichkeit eines vorzeitigen Ausscheidens Gebrauch machen sollte.

Ich bin im März dieses Jahres 67 Jahre alt geworden und lebe seit 45 Jahren im Rollstuhl. Das hat einige gesundheitliche Spuren hinterlassen. Davon abgesehen sind 20 Jahre ja auch genug und es ist Zeit, den Staffelstab an die nächste Generation weiter zu geben."

Im Internet wird schon jetzt nicht nur in den einschlägigen Medienforen rege diskutiert: Welche Rolle spielte der im vergangenen Jahr bekannt gewordene Betrugsskandal beim ARD/ZDF-Kinderkanal (Ki.Ka.) bei der Entscheidung für den Rücktritt? Bei dem 1997 gegründeten Sender, für den der MDR federführend agiert, ist durch kriminelle Machenschaften eines Ex-Mitarbeiters und offensichtlich fehlende Kontrollinstanzen ein Schaden von über acht Millionen Euro entstanden. In den vergangenen Monaten hatte sich die Brisanz des Falles noch einmal ganz deutlich erhöht.

Feststeht: Man musste kein Hellseher sein, um zu bemerken, dass Reiter die Affäre in der letzten Zeit persönlich mitgenommen hat. Selbst die MDR-Jubiläumsgala wurde auf seinen Antrag abgesagt: "Ich war mit dem Ki.Ka immer besonders verbunden", sagte Reiter kürzlich in einem Interview. "Der Betrug hat mich persönlich getroffen. Da ist einem nicht nach großen Feiern zumute." Zwar sieht er "die Probleme um den Ki.Ka in der Zwischenzeit weitgehend geklärt", aber das Ende seiner Zeit als MDR-Intendant hatte er sich sicher anders vorgestellt.

Denn Reiters Berufsleben gleicht einer Bilderbuchkarriere: 1970 begann der Baden-Württemberger ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk in München. Dort war er anschließend als Freier Mitarbeiter tätig. Als Redakteur arbeitete Reiter ab 1973 in der Wissenschaftsredaktion des BR innerhalb der Hauptabteilung Kultur. 1983 übernahm er zudem die Position des Chefredakteurs Hörfunk, 1986 folgte die Ernennung zum BR-Hörfunkdirektor. In dieser Zeit führte er mit "B 5 aktuell" den ersten Nachrichtenkanal im deutschen Rundfunk ein.

Dann kam die Wende. Und für Reiter eine neue Aufgabe. Für ihn war der im Jahr 1991 gegründete MDR, dessen erster Intendant er wurde, noch einmal die Möglichkeit, zu zeigen, was er über die Jahre im Süddeutschland gelernt hatte. Er drückte der Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt umspannenden Rundfunkanstalt seinen Stempel auf, machte sie zur quotenstärksten aller ARD-Fernsehstationen. In den Jahren 1997 und 1998 war Udo Reiter gleichzeitig noch ARD-Vorsitzender. Seit 1999 fungiert er als "Filmintendant" innerhalb der ARD und hat den Aufsichtsratsvorsitz der Degeto Film GmbH inne. Nach 1996 und 2002 wurde Udo Reiter Anfang April 2008 zum vierten Mal für weitere sechs Jahre als Intendant des MDR bestätigt. Im Juli 2009 begann seine neue Amtszeit.

"Udo Reiter hat die Menschen im Osten erreicht", sagt der ehemalige Intendant des Bayerischen Rundfunks, Dr. Thomas Gruber, der Berliner Morgenpost. Mit ihm verlasse ein großer Intendant die Bühne. In Reiters derzeitigem Intendanten-Vertrag gibt es eine Ausstiegsklausel. Von der hat er nun Gebrauch gemacht. Im MDR-Verwaltungsrat wird nun über das Verfahren der Nachfolge entschieden. Deshalb steht laut MDR der Zeitpunkt von Reiters Ausscheiden noch nicht genau fest.