Theater

Ausgerechnet bei der Staatsoper soll es nach Plan laufen

Der leuchtend rote Bagger neben dem Magazin der Staatsoper sorgt für Irritationen. Wie die auf einem Haufen liegenden Steine, die mal Teil der Fassade waren. Zumindest die Außenmauern dieses Gebäudes sollten eigentlich im Zuge der Sanierung des Gesamtkomplexes erhalten bleiben. Entkernung hieß die Parole.

Weil aber Abstützmaßnahmen und der Umbau im Bestand, wie es im Sanierungsdeutsch heißt, teurer wären als ein Neubau, wird jetzt abgerissen. Natürlich nach Rücksprache mit dem Denkmalschutz, das wird bei der Baustellenbesichtigung, quasi einer vertrauensbildenden Maßnahme, häufiger versichert. Die Schmuckelemente der Fassade seien abmontiert und eingelagert worden. Später sollen sie - hübsch gereinigt - wieder angebracht werden.

Als Muster könnte dann das restliche Magazingebäude dienen, denn ungefähr zwei Fünftel bleiben unangetastet. Es ist der Teil, den Staatsopern-Generaldirektor Daniel Barenboim künftig für seine internationale Akademie beziehungsweise das von ihm geleitete West-Eastern Diwan Orchestra nutzen will. Weil aber die Finanzierung noch unklar ist, nutzt die Bauleitung vorübergehend dieses Teil des Gebäudes.

Dass der andere jetzt abgerissen wird, ist Teil des überarbeiteten Sanierungsplanes. Der beinhaltet: Die Arbeiten dauern jetzt nicht drei, sondern rund dreieinhalb Jahre, die Eröffnung der Staatsoper verschiebt sich um zwölf Monate auf den 3. Oktober 2014. Als Gründe wurden bereits in der vergangenen Woche angeführt: ein unerwartet schlechter Baugrund, ein unerwartet früher Wintereinbruch und ein unerwartet gefundener Bunker samt darunterliegendem Tresorraum. In dem aber kein Goldschatz gefunden wurde. Obwohl die Sanierung länger dauert, sollen die Kosten nicht steigen. 239 Millionen Euro sind für die Arbeiten am Opernhaus einschließlich der beiden dazugehörigen Nebengebäude (Magazin und Intendanz) veranschlagt. Und diese Summe, zu der der Bund 200 Millionen Euro beisteuert, soll auf jeden Fall gehalten werden - die Mehrkosten müsste das Land tragen, weil der Bund seinen Zuschuss gedeckelt hat.

Die Berliner Bauverwaltung will nun offenbar zeigen, dass sie nach den Pannen mit der Topographie des Terrors und dem Neubau der Akademie der Künste am Pariser Platz doch in der Lage ist, ein Projekt zumindest im Kostenrahmen zu realisieren. Anders lassen sich die gebetsmühlenartigen Beteuerungen von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher kaum erklären. Bevor es auf die Baustelle mit eingerüsteten Treppenhäusern und aufgerissenen Fußböden ging - diese staubträchtige Tour hat sich die Senatsbaudirektorin erspart -, erläuterte sie im Apollosaal (der immer noch so aussieht wie immer) den Stand der Dinge - und die Pläne.

Dass ausgerechnet die Staatsoper dazu auserkoren wurde, den Ruf der Bauverwaltung zu verbessern, ist mutig. Denn hier wird nicht neu gebaut, sondern saniert. In einem Gebäude, dass eine lange Bau-Geschichte, Zerstörungen durch Feuer und Bomben, Probleme mit eindringendem Grundwasser und einige Renovierungen hinter sich hat. Stellvertretend für Unwägbarkeiten wurde gestern in den Räumen der Konditorei (auf dem Boden eine große Wasserpfütze, an der Decke noch Reste der Dekoration) eine Geschichte vom Beginn der Bauarbeiten erzählt: Nachdem die Stromversorgung der Staatsoper komplett getrennt worden sei, habe man noch drei Wasserpumpen entdeckt, die nach wie vor liefen.

Etwas widersprüchlich waren die Informationen zu den Funden im Untergrund, ein wesentlicher Grund für die Verzögerungen: Erst wurde gesagt, dass man von der Existenz des Bunkers - der den Bau des geplanten unterirdischen Verbindungsganges zwischen Bühne und Magazin behindert - nichts gewusst habe. Gestern nun betonte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, dass der noch unter dem Bunker liegende, etwa 90 Quadratmeter große Tresorraum (mutmaßlich ein Überbleibsel der Bank des Berliner Kassenvereins) die baubehindernde Überraschung war. Gleichzeitig hieß es, dass dieser Tresor schon beim Bau des Magazingebäudes vor rund 60 Jahren entdeckt worden war. Darüber gebe es aber keine Unterlagen.

Es dürfte nicht die letzte Überraschung gewesen sein. Nachdem in der vergangenen Woche die zusammen mit der SPD regierende Linkspartei angesichts der neuen Entwicklungen einen Baustopp gefordert hatte, kann man wohl davon ausgehen, dass die Sanierung der Staatsoper noch das Parlament beschäftigen wird. Während oder nach der Fertigstellung.