Musik

Willkommen in der Mischpoke

Er habe das "freche Funkeln in den Augen", sagt Barrie Kosky über den neuen Generalmusikdirektor, und das habe ihm sofort gefallen. Gestern wurde der Ungar Henrik Nanasi als Musikchef der Komischen Oper vorgestellt. Genau genommen hat Kosky damit seine erste Amtshandlung als künftiger Intendant des Hauses vorgenommen.

Das neue Team formiert sich, beide treten 2012 offiziell an. Kosky erzählt denn auch, was es alles braucht, um bei ihm Generalmusikdirektor zu werden. Nanasi ist demnach "ein wunderbarer Musiker", er wisse, wie wichtig das Zusammenspiel von Musik und Theater an der Komischen Oper ist, er sei ein Teamplayer, zugleich ein Chef und "obendrein habe er Humor". Letzteres ist für Kosky sehr wichtig. "Willkommen in der Mischpoke!", sagt er schließlich.

Aber wer ist nun dieser Henrik Nanasi, den keiner kennt. Jedenfalls noch nicht. Andre Schmitz, Berlins Kulturstaatssekretär, sieht Nanasi in einer Traditionslinie und es fallen Namen wie Yakov Kreizberg, Vladimir Jurowski oder Kirill Petrenko. Das waren oder sind allesamt Dirigenten, für die die Komische Oper zum Sprungbrett ins internationale Operngeschäft wurde. Derzeit wird Nanasi als Debütant zwischen Frankfurt, Dresden, München herumgereicht.

Und noch etwas anderes fällt an der Dirigentenliste auf. Auch Henrik Nanasi, eine rundum smarte Erscheinung, entstammt dem osteuropäischen Musikbetrieb. Dazu bekennt er sich ausdrücklich, was die (nicht-slawischen) Ungarn ansonsten ungern tun und sich lieber auf die österreichisch-ungarische Musiktradition berufen. Tatsächlich ist auch Nanasi, der als Lehrerkind 1975 in Pecs geboren wurde, in Wien ausgebildet worden. Aber zuerst als Komponist. Was er betont! Dementsprechend gemischt ist auch die Aufzählung seiner Lieblingskomponisten und Opern. Er sei ein großer Mozart-Verehrer und "Cosi fan tutte" seine absolute Lieblingsoper. Er mag Strauß' "Rosenkavalier". Dann fällt bereits der Name seines Landmannes Bela Bartok. Und schließlich favorisiert er Tschaikowski.

Darüber hinaus hat er in Wien noch Klavier und Klarinette studiert. Und schließlich vollzog er die Ochsentour als Dirigent: Solorepetitor in Klagenfurt, Erster Kapellmeister in Augsburg, stellvertretender Chefdirigent am Gärtnerplatz in München, jetzt Generalmusikdirektor in Berlin. Eine solide Karriere, zweifellos.

Übrigens hat Kosky gestern eine weitere beachtliche Personalie verkündet: An die Seite von Nanasi wird die junge Estin Kristiina Poska als Kapellmeisterin verpflichtet - somit in Berlin die zweite Dirigentin nach Simone Young, die Daniel Barenboim einst an die Staatsoper geholt hatte und die heute Chefin in Hamburg ist.

Rund 20 Dirigenten hat die Komische Oper nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Carl St. Clair begutachtet, umworben, verworfen - bis sich schließlich das Orchester und Kosky auf den jungen Ungarn einigten. Der hatte im Februar kurzfristig eine Vorstellung des "Fidelio" am Haus dirigiert. Daraufhin fand einen Monat später eine interne Konzertprobe mit Mozart und Tschaikowski statt. Er soll genau so charmant lächeln wie konsequent mit einem Orchester proben können, heißt es. Das hat schließlich überzeugt. Dennoch ist der Vertrag zunächst auf drei Jahre beschränkt. Ob er mit seiner Frau, die als Komponistin in Wien lehrt, nach Berlin umzieht, weiß er noch nicht. Wahrscheinlich ja. Denn insgesamt 40 Dirigate gibt er pro Saison, zwei Premieren will er leiten.

Die genauen Pläne sollen erst im kommenden Jahr bekannt geben werden. Aber da ist Regieintendant Kosky ein Schalk in eigener Sache: Gleich zu Beginn ihrer ersten Spielzeit, sagt er, mache er mit Nanasi zusammen eine Oper, die etwas mit einer Flöte zu tun habe. Mehr will er nicht verraten. Gut möglich, dass Berlin viel Spaß mit dem lockeren Führungsteam der Komischen Oper haben wird.