Theater

Zwei Ehen, vier Paare: Kudamm-Komödie mit Hugo Egon Balder

Aber Ja! Sie sollen sich freuen, dass die Frau Gemahlin so gut drauf ist. Doch ein bisschen wundern dürfen Sie sich schon.

Herr Oscar (Sebastian Goder), ein agiler Zeichner von Kinder-Comicserien, ist von Natur aus neugierig genug, der wunderbaren Wandlung seines ehelichen Klimas nachzugehen. Und wird beim Durchschnüffeln der Internet-Korrespondenz seiner Gattin fündig: Sabrina (Dorkas Kiefer) nämlich hat ein Verhältnis. Mit dem Medienmann Karl (Hugo Egon Balder), ermüdend verheiratet mit Mona (Maike Bollow) und wie seine Liebhaberin bedürftig auf außereheliche Bewältigung ehelichen Frusts. Die Sache läuft wie geschmiert, bis sie anfängt zu stocken: Sabrina ist allmählich wieder mürrisch geworden. Weil ihr Lover mit dem überfüllten Terminkalender zunehmend weniger Zeit fand. Oscar hat es erfahren beim heimlichen E-Mails-Mitlesen. Eilt also schnurstracks zu Karl, stellt sich dem Verdatterten vor als Mann seiner vernachlässigten Geliebten Sabrina und fordert händeringend von ihm: "Sei lieb zu meiner Frau!"

Diese flehentliche Bitte gibt den vielsagenden Titel für Rene Heinersdorffs wirklich witziges Beziehungs-Spielchen zwischen vier Leuten im gut situierten Mittelstand. "Sei lieb zu meiner Frau" ist eine freche, überraschend unverschämte und unaufdringlich lebensweise Komödie, produziert vom Düsseldorfer Theater an der Kö. Jetzt hatte sie gefeierte Berlin-Premiere im Theater am Kudamm. - Mit Oscars Herzens-Befehl zum Liebsein kommt das Lust-Spiel ins Rollen. Der überbeschäftigte Karl soll gefälligst an der Intensivierung seines Seitensprungs jenseits des "kleinen gemeinsamen virtuellen E-Mail-Zuhauses" arbeiten, damit Sabrina am realen Herd daheim bei Oscar wieder freundlich blüht und köchelt. Aber auch: Damit der wiederum mehr Luft hat für sein diskretes Verhältnis mit Mona - die sich langweilende Gattin von Karl, dem Medienmann.

Freilich passiert was passieren muss: Die Heimlichtuer prallen ungewollt aufeinander. Es kommt zu hübschen Krächen, aber auch zu überraschenden Allianzen. Die kecke Moral von der bei allem Ertüftelten überhaupt nicht lebensfremden Geschichte: Eine über die Jahre lahm gewordene Ehe kriegt man mit außerehelichem Verkehr durchaus wieder in Schwung. Die Komödie läuft unter Regie des Autors wie am Schnürchen: das Knallen der Pointen, das Klipp-Klapp der Auf- und Abgänge. Ein geschliffener Text mit sprudelndem Wortwitz bei angemessenem Tiefsinn. Prima Konversationstheater. Und es ist nicht so, dass der Fernsehstar Balder ("Genial daneben") seine drei Kollegen an die Wand spielte, dafür sind die viel zu stark.

Theater am Kurfürstendamm 206-209, Wilmersdorf. Bis 25.5., 2.6. bis 10.7. jeweils 20 Uhr, sonntags 18 Uhr. Tel. 885 911 88