Konzert

Glanzlos, aber knackig: Mahler in der Philharmonie

Das Orchester, mit dem Gustav Mahler das letzte Konzert seines Lebens bestritt, genießt im Reigen der Gedenkkonzerte zum 100. Todestag besondere Aufmerksamkeit. Die Philharmoniker aus New York widerstehen auf ihrer Tournee durch Mitteleuropa allerdings der Versuchung, ein Stück aus diesem letzten Konzert zu präsentieren, denn Mahler dirigierte am 21. Februar 1911 ein italienisches Programm mit heute überwiegend vergessenen Komponisten.

Auch seine 5. Symphonie, Schwerpunkt des Gastspiels in der Philharmonie, hat er mit seinem amerikanischen Orchester nie gespielt. Dafür verzeichnen die Annalen des Jahres 1910 gleich zwei Aufführungen der "Kindertotenlieder". Es lag also eine gewisse Weihe des Authentischen über diesem Konzert, zumal der Bariton Thomas Hampson als ausgewiesener Mahler-Experte gilt. Er wählte einen ebenso diskutablen wie schwierigen Weg. Das einleitende "Nun will die Sonn' so hell aufgeh'n" deutete Hampson als Moritat, der Vortrag wirkte unpersönlich und distanziert, erst im letzten Lied ließ er seinen enormen gestalterischen wie sängerischen Qualitäten freien Lauf, so dass "In diesem Wetter, in diesem Braus" fast zu einer kleinen Opernszene wurde - schade eigentlich, dass Gustav Mahler der Bühne die meiste Zeit seines Lebens widmete, aber kein einziges Werk.

Sehr problematisch dann Mahlers 5. Symphonie. Der Kopfsatz begann mit einem indisponierten Trompeter und endete auch so, die Violinen bewegten sich ständig in glanzlosen Mittelzonen, die Kommunikation innerhalb des Orchesters war gleich null. Alan Gilbert, der erste gebürtige New Yorker auf diesem Posten, vermochte nur Tournee-Routine abzurufen. Es waren vor allem die Bläser, Oboe und Horn und eine zum Schluss knackig agierende Blechfraktion, die den Auftritt retteten. Der schönste Moment lag außerhalb des offiziellen Programms: die Zugabe mit Bernsteins Pas de deux "Lonely town" weckte Sehnsucht nach mehr amerikanischer Musik. Mahler haben wir schon genug.