Saison

Renaissance-Theater: In "Betrogen" gibt es nur Verlierer

Hart pfeifen die Bälle durch den Raum, zischen mit rasendem Tempo zwischen Schläger und Wand hin und her wie später die Sätze im Beziehungsdreieck. Anders als beim Squash allerdings gibt es in Harold Pinters "Betrogen" nur Verlierer: Emma ist mit Robert verheiratet und hat eine Affäre mit dessen besten Freund Jerry.

Am Ende sind Ehe und Freundschaft ruiniert, aber weil das zu erzählen vielleicht doch etwas banal wäre, hat der spätere Literatur-Nobelpreisträger in seinem Erfolgsstück von 1978 die Zeitfolge umgekehrt: Er beginnt 1977 mit dem Scheitern und hangelt sich an den Wendepunkten entlang bis zum ersten Kuss zwischen Emma und Jerry neun Jahre zuvor.

Regisseur Torsten Fischer, der am Renaissance-Theater zuletzt Lutz Hübners "Blütenträume" zum starbesetzten Hit machte, setzt seine drei Schauspieler in ein Glashaus: Nicht mal mit Kieseln sollte man hier werfen. Tatsächlich brodeln die Emotionen in Pinters Dialogen meist unter der plaudernden Oberfläche, wo Abgründe aus Nichtgesagtem, Halbwahrheiten, Lügen gähnen. Zu Beginn demonstrieren Jerry und Robert beim Squash wortloses, faires Freundesglück, später wird im Hotel, zu Hause, im Liebesnest wie unterm Brennglas verhandelt, getrunken, gestritten.

Solche Beziehungskrisengeschichten leben von den Schauspielern: Die grandiose Annika Mauer zappt mühelos zwischen abgeklärter Geschäftsfrau, leidenschaftlicher Verführerin und geschundenem Opfer, Heikko Deutschmann und Peter Kremer blasen sich auf und kumpeln lässig herum, um sich gezielt die ärgsten Bösartigkeiten reinzuwürgen. Ihre Zärtlichkeiten für Emma? Kleine Gewaltakte. Ihre Verletzungen? Angekratzte Egos, versteckt hinter Aggressivität. Zu lachen gibt es wenig, und wenn, erstirbt's auf halber Strecke: Fischer hat seinen Pinter genau gelesen und entdeckt in zügigen 80 Minuten auf der Spielebene Lügen, die im Text nur vage angedeutet sind. Das ist oft schmerzhaft - aber ehrlich.

Renaissance-Theater , Knesebeckstr. 100, Charlottenburg. Tel. 312 42 02.